Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Fußball ist Politik und Politik ist Fußball

Bochumer Fans schlossen sich dem Stimmungsboykott zum Ärger von Trainer Robin Dutt an. Symbolbild: David Peters

01.10.2018 11:46 - David Peters

 
 

Heutzutage ist man ja froh, wenn sich Fußballer und Trainer auch mal zu politischen und gesellschaftlichen Themen äußern, das Paradebeispiel ist Christian Streich, der Trainer des Fußballbundesligisten SC Freiburg. Eher schlecht präsentierte sich hingegen der Bochumer Trainer Robin Dutt auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Dynamo Dresden.

Rückblick: Es stand wieder eine englische Woche in den deutschen Fußballligen an. Dagegen und gegen die immer weiter fortschreitende Kommerzialisierung des Fußballs wollten bundesweit Fans mit einem 20 minütigen Stimmungsboykott protestieren. So auch in Bochum. Sowohl die Heimfans, als auch die stimmgewaltigen Dresdener Auswärtsfans schwiegen. Bochum verlor das Spiel.

Und jetzt kommt Robin Dutt ins Spiel. Auf der Pressekonferenz wirkte er sichtlich angefressen. Auf den Stimmungsboykott angesprochen, spann Dutt sich eine Theorie zusammen: Die Dresdener Fans hätten den Boykott initiiert und so den Bochumern den Heimvorteil genommen. Nur zur Information: Ein Spiel dauert 90 Minuten und der Stimmungsboykott nur 20. Danach folgte Dutts verbaler Rundumschlag: „Grundsätzlich geht mir in dieser Gesellschaft das total auf den Geist. Jeder protestiert gegen Alles und Jeden. Völlig undifferenziert und Nichtbeteiligte müssen darunter leiden. Wir sind so eine richtige Protestgesellschaft geworden.“ 

Am folgenden Tag relativierte Dutt diese Aussage im Gespräch mit westline: „Ich unterstütze deshalb auch das Anliegen, das hinter dem Boykott steckt. Trotzdem würde ich mir dafür eine andere Plattform wünschen – eine, die uns als VfL Bochum nicht trifft und zugleich bei denen Gehör findet, die angesprochen sind.“  

So funktioniert das mit dem Protest nicht. Gehen wir mal die ursprüngliche Aussage durch. Nichtbeteiligte müssen unter dem Protest leiden? Zum Fußball gehören alle, nicht nur die 22 überbezahlten Menschen auf dem Feld inklusive etlicher Funktionäre, Fußballlehrer und so weiter, sondern eben auch die Fans. Der Fußball lebt von seinen Fans. Würde jedes Spiel vor einer Geisterkulisse stattfinden, dann wäre der Laden schneller dicht, als man „undifferenziert“ sagen kann. Wenn diese Fans mal ein wenig Rücksicht einfordern, zum Beispiel wenn es um fanfreundliche Anstoßzeiten geht, dann kann man das ruhig mal ertragen – ja vielleicht sogar unterstützen.

Protest als Bestandteil der Demokratie

Und jetzt zum Protest. Protest ist elementarer Bestandteil einer Demokratie. Vielleicht sogar eine Errungenschaft. Jeder Mensch hat in Deutschland das Recht seine Meinung, also auch seinen Unmut kundzutun. Das ist gut so und hier würde ich sogar noch einen Schritt weiter gehen. In Deutschlands Stadien wird sogar noch viel zu wenig protestiert, gegen Kartenpreise, Spieltagsüberschneidungen, unmögliche Anstoßzeiten, von österreichischen Seedörfern ausgehende ominöse Firmenkonstrukte aber eben auch gegen Neonazis, Überwachung und Polizeigesetze. Protest und Politik gehören ins Stadion und erreichen dort nicht nur bis zu 80.000 Zuschauer auf den Tribünen, sondern teils auch Millionen vor den Fernsehgeräten. Das stört in der Regel nur diejenigen, die sich durch den Protest angriffen fühlen.

Mir persönlich würde es eher „total auf den Geist gehen“, wenn nicht mehr protestiert wird, wenn Menschen im Mittelmeer ertrinken oder die Gesellschaft immer stärker nach rechts rückt. Was soll daran falsch, schlecht oder nervig sein? Durch Protest am Fliesentisch hat sich noch nie etwas geändert. Dann lieber im Stadion oder im Doppelpass. 

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