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GESELLSCHAFT

Fusion Festival 2019 unter polizeilichem Beschuss

   Festivals wie die Fusion leben von Toleranz und freiheitlichem Miteinander.

[Symbolfoto: Jacqueline Brinkwirth]

24.05.2019 10:37 - Jacqueline Brinkwirth

Das Fusion Festival im mecklenburgischen Lärz ist eines der bekanntesten Musikfestivals in Europa. Seit 1997 begeistert der Veranstalter Kulturkosmos Müritz e.V. mit einem ausgefallenen Kulturprogramm und einem Festivalerlebnis voller Toleranz jährlich 70.000 Besucher*innen. Das könnte sich durch einen geplanten Großeinsatz der Polizei nun ändern. 

Seit nunmehr fast 22 Jahren ist das Fusion Festival, ausgerichtet vom Kulturkosmos Müritz e.V., eine feste Institution in der Musikszene über die Grenzen Deutschlands hinaus. Denn die Veranstaltung, die den ehemaligen Militärflughafen Lärz jedes Jahr in einen liebevoll gestalteten „Karneval der Sinne“ verwandelt, ist mehr als nur ein Musikfestival. Ein breit gefächertes Programm mit Workshops, Kunst und Performance Art bietet Besucher*innen über die Musik hinaus auch ein kulturelles Erlebnis. Damit könnte 2019 allerdings Schluss sein.

Polizei verweigert Sicherheitsfreigabe

Anfang Mai schockte der Kulturkosmos die Ticketinhaber*innen mit der Nachricht, dass die Fusion möglicherweise gar nicht stattfinden könnte. „Weniger als zwei Monate vor Beginn unseres Festivals würden wir uns wahrlich lieber mit anderen Dingen befassen, als mit dem Polizeipräsidenten von Neubrandenburg. Mit einem Schreiben, das uns am 2. Mai 2019 zugegangen ist, hat dieser aber mitgeteilt, dass er sein Einvernehmen zur Durchführung der Veranstaltung verweigert“, erklärte der Veranstalter auf der Website des Festivals. Als Begründung führte die Polizei generelles Misstrauen gegenüber dem Veranstalter sowie Mängel im Sicherheitskonzept an. Darüber hinaus machten die Behörden klar, dass sie dem Sicherheitskonzept des Festivals nicht zustimmen werden, solange die Installation einer Polizeiwache auf dem Gelände und Kontrollen während des Festivals darin nicht festgeschrieben seien.   

Der Kulturkosmos startete daraufhin eine Petition, die bereits am 8. Mai über 100.00 Menschen unterschrieben hatten. Der Aufruf dahinter war klar: die vermeintliche Schikane des Polizeipräsidenten stoppen und ein freiheitliches Festival ohne Kontrollen zu gewährleisten. In den vergangenen Jahren hätten die Behörden das Festival schließlich immer ohne größere Probleme genehmigt. „Das Verhalten des

Etwa 100 Beamt*innen sollen rund um die Uhr auf dem Gelände im Einsatz sein und Streife gehen.

Polizeipräsidenten, der Veranstaltung aufgrund der baulichen Gegebenheiten oder einer vorgeschobenen Unzuverlässigkeit des Veranstalters entgegen vielen Jahren erfolgreicher Praxis die Zustimmung zu verweigern, ist geradezu grotesk“, schildert der Kulturkosmos.

Keine Kontrollen ergo kein Festival?

Das Konzept hinter der Fusion soll eigentlich allen Teilnehmenden „vier Tage Ferienkommunismus“ ohne Zwänge und Kontrollen bieten. Anlasslose Streifengänge der Polizei sowie die Einrichtung einer festen Polizeistation auf dem Gelände würden in direktem Gegensatz dazu stehen. Auf der ersten Pressekonferenz des Kulturkosmos seit Bestehen des Festivals berichtete der Vorstand des Vereins, Martin Eulenhaupt, dass die Einrichtung einer Wache außerhalb des Geländes durchaus im Sinne des Veranstalters liege. Er schränkte jedoch ein: „Wenn man die Polizei braucht, muss sie erreichbar sein, aber niemand will sie auf dem Festivalgelände sehen. Diesen Kompromiss haben wir vorgeschlagen. Die Polizei hat sich jedoch keinen Zentimeter auf uns zubewegt.“ 

Am 20.05. verschärfte sich die Situation erneut. In einem Artikel schildert Zeit Online, dass der geplante Polizeieinsatz auf dem Fusion Festival deutlich größer ausfallen soll als bisher angenommen. Etwa 100 Beamt*innen sollen rund um die Uhr auf dem Gelände im Einsatz sein und Streife gehen. Darüber hinaus sollen um das Gelände herum ungefähr 1000 Polizist*innen stationiert werden, ebenso wie Räumpanzer und Wasserwerfer. Laut Zeit Online gehe das aus einem Einsatzpapier hervor, dass der Zeitung vorliege und auf den 12. März 2019 datiert sei.

Entscheidung in den nächsten Tagen

Offen ist bislang immer noch, welche Gründe hinter dem geplanten Großeinsatz stecken. Dazu sorgten Verstrickungen um Ulf-Theodor Claassen im Vorfeld für Unruhe: sensible Daten zum Sicherheitskonzept des Kulturkosmos sollen im Zuge der Recherche für eine Bachelorarbeit an den ehemaligen AfD-Politiker gelangt sein. Claassen, der an der Polizeifachhochschule Güstrow lehrt, wurde zudem als „Experte in Fusion-Fragen” zur Beratung herangezogen und betreute die betreffende Bachelorarbeit.

Martin Eulenhaupt zeigte sich wütend, dass die Polizei solch sensible Dokumente „auf direktem Wege an verurteilte rechte Gewalttäter weiterreicht“. Claassen hatte 2014 einige Jugendliche mit Reizgas angegriffen, weil sie seinen AfD-Wahlstand mit Konfetti beworfen hatten und wurde daraufhin wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt. 
Während der Konflikt um das Festival für Außenstehende immer festgefahrener wirkt, gaben die Behörden zuletzt jedoch Anlass zur Hoffnung. Sofern der Veranstalter die Mängel des Sicherheitskonzeptes überarbeite, sei ein Polizeieinsatz auf dem Gelände vielleicht gar nicht mehr notwendig, ließ die Sprecherin des Polizeipräsidiums Neubrandenburg gegenüber Zeit Online verlauten. 

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