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GESELLSCHAFT

Fusion Festival 2019: Polizeiliche Schikane statt Wache auf dem Festivalgelände

Das Fusion Festival wird auch 2020 in Lärz stattfinden.

[Foto: Jacqueline Brinkwirth]

08.07.2019 12:59 - Jacqueline Brinkwirth

Eigentlich wollte die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern eine Wache auf dem Gelände des Fusion Festivals installieren und Kontrollen bei den Besucher*innen durchführen. Erst kurz vor Festivalbeginn wird öffentlich, dass es weiterhin nur eine mobile Polizeistation vor dem Gelände geben wird und die üblichen Kontrollen bei der Anreise. Unsere Redakteurin war vor Ort und hat sich die Situation genau angeschaut.

Die Ankündigung der Polizei, beim diesjährigen Fusion Festival eine feste Wache auf dem Gelände zu installieren und dort Streifgänge zu machen sowie unangekündigt Kontrollen durchzuführen, hatte im Vorfeld des Festivals für einen Aufschrei beim Veranstalter, Besucher*innen und in den Medien gesorgt. Eine Petition gegen die Pläne der Polizei hatte innerhalb weniger Tage Hunderttausende Unterschriften. Lange war nicht klar, wie genau  die polizeiliche Präsenz auf der Fusion aussehen würde und inwieweit Besucher*innen mit Kontrollen vor und auf dem Gelände zu rechnen hätten.

Kurz vor Beginn des Festivals am 26. Juni wird deutlich: es wird, wie die Jahre zuvor, nur eine mobile Polizeistation außerhalb des Geländes geben. Außerdem soll die Polizei das Gelände nur betreten, wenn sie gerufen wird. Nicht nur beim Veranstalter stellte sich daraufhin Erleichterung ein, auch Fans des Festivals und die rund 70.000 Ticketinhaber*innen konnten aufatmen. 

Schikane bei Fahrzeugkontrollen

Doch schon bei der Anreise am alten Militärflughafen in Lärz fallen verstärkte Fahrzeugkontrollen auf. Die Polizei zieht nicht nur mehrere Fahrzeuge aus dem Verkehr, sondern macht auch gründlichere Kontrollen als zuvor. „Wir wurden schon auf dem Hinweg rausgezogen und mussten alle aussteigen, sogar die Beifahrer hinten“, erzählt Festivalbesucher Tristan*. Er ist mit vier Freunden in einem alten VW-Bus angereist und wundert sich über die Methoden der Polizei: „Ich musste Kniebeugen machen, um meine Koordination zu testen. Meine Jungs mussten währenddessen genau erzählen, wann wir losgefahren sind und was wir alles im Bus eingepackt haben. Natürlich haben die Cops auch gefragt, ob wir Drogen dabeihaben.“

Auch Jasmin* wurde mit ihrer Freundin auf der Hinfahrt angehalten: „Ich sollte dann das Alphabet rückwärts aufsagen. Das schaffe ich nüchtern schon nicht richtig“, berichtet sie lachend. Die Kontrolle sei jedoch ansonsten recht unauffällig gewesen. „Ich musste pusten wegen Verdachts auf Alkoholkonsum und die haben grob unser Gepäck abgesucht. Aber ich nehme ja keine Drogen mit, wenn ich die auch einfach auf der Fusion kaufen kann“, erklärt sie. 

Vielfach wurde im Vorfeld vermutet, dass die Polizei durch härtere Kontrollen und Streifgänge auf dem Festivalgelände vor allem den Drogenverkauf und -konsum unter Kontrolle bringen wollte. Dabei hatte das auf der Fusion in der Vergangenheit nie für Schwierigkeiten gesorgt. Gernot Rücker ist seit 15 Jahren Notarzt auf der Fusion und hält den Konsum illegaler Substanzen nicht für das größte Problem. „Unser Feind bei Großveranstaltungen ist ganz klar die Schnapsflasche und die mangelnde Dosierfähigkeit im Rausch. Alkohol ist die Substanz mit dem höchsten Risiko für Schwierigkeiten“, erzählt er gegenüber der Vice
.

Todesfall überschattet Fusion

Obwohl die Wache in diesem Jahr nur außerhalb des Geländes stationiert wurde, machten sich viele Besucher*innen Sorgen, dass Polizeibeamte doch über das Gelände streifen könnten. Diese Sorge blieb allerdings unbegründet. Nach Ende des Festivals berichtet die Polizei von sieben Strafanzeigen, davon vier Diebstähle, zwei Anzeigen wegen Drogendelikten und eine Körperverletzung. Darüber hinaus wurden bei Verkehrs- und Drogenkontrollen 380 Fälle aufgenommen, in denen nun ermittelt wird. Darunter waren allein 350 Rauschgiftdelikte, wie Fahren unter Drogeneinfluss.

Allgemein zeigt sich die Polizei zufrieden mit dem Einsatz rund um das Fusion Festival 2019 und lobte die gute Zusammenarbeit mit dem Veranstalter Kulturkosmos Müritz e.V. Ein Todesfall überschattet jedoch das ansonsten positive Fazit der diesjährigen Fusion. Am Sonntag, den 30. Juni wurde ein 28-Jähriger tot in seinem Zelt aufgefunden. Laut Kriminalpolizei gab es keine Anzeichen für Fremdeinwirkung. Die Staatsanwaltschaft ordnete daraufhin eine Obduktion an, die jedoch ohne Ergebnis blieb.​​​​​

Toxikologische Untersuchungen sollen nun klären, ob der Tod durch Drogenkonsum zustande kam, doch erste Ergebnisse dazu werden erst in einigen Monaten erwartet. Festivalbesucher*innen, Mitarbeitende und Acts gedachten dem toten Mainzer noch am selben Tag in 15 Minuten Stille und mahnten für die kommende Fusion zur Vor- und Umsicht. Das Fusion Festival soll 2020 vom 24. bis zum 29. Juni stattfinden. 

*Namen der Redaktion bekannt

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