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GESELLSCHAFT

„Freilaufkühe“: foodwatch kritisiert Käse-Verpackung

 Es gibt 4.1 Millionen Milchkühe in Deutschland.[Foto: pixabay]
19.11.2020 14:34 - Canberk Köktürk

Jährlich verleiht der gemeinnützige Verein foodwatch, der sich für die Rechte der Verbraucher:innen einsetzt, den „Goldenen Windbeutel“. Der Negativ-Preis soll auf Werbelügen von Lebensmittelhersteller:innen aufmerksam machen. Im September 2020 ging der Preis an den Grünländer Käse von Hochland.

Auf der Verpackung vom Grünländer Käse der Firma Hochland wird mit „Freilaufkühen“ geworben. „Freilaufkühe ist ein reiner Fantasiebegriff – Hochland täuscht ausgerechnet diejenigen, die bewusst Produkte auswählen, von denen sie sich eine bessere Tierhaltung versprechen“, so Manuel Wiemann, Wahlleiter beim Goldenen Windbeutel. Tatsächlich werden die Kühe jedoch im Stall gehalten, wie Hochland auf der Verpackungsrückseite der Grünländer-Produkte erklärt: „Unsere Freilaufkühe können sich jederzeit frei im Stall bewegen. So können sie mit ihren Artgenossen in sozialen Kontakt treten und ein natürliches Herdenverhalten entwickeln.“ foodwatch kritisiert, dass der Eindruck entstehen würde, die Kühe könnten den Stall jederzeit verlassen. 

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Dass sich Milchkühe ohne Anbindung im Stall bewegen können ist keine Besonderheit, sondern eine von zwei Alternativen, wie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in ihrer Broschüre „Landwirtschaft verstehen“ darstellt. Es gibt 4,1 Millionen Milchkühe in Deutschland, die jährlich 33 Millionen Tonnen Milch erzeugen. In der Broschüre wird auch eine moderne Bestallung dargestellt. Sie besteht aus einer Lauffläche, in der sich die Kühe frei bewegen können, aus einer Liegebox, einem Futterplatz und dem Melkroboter. Teilweise hätten die Tiere die Möglichkeit ins Freie zu gehen. Die zweite Alternative ist die Anbindehaltung, bei der die Tiere angebunden in Reihen nebeneinander stehen.

Die Kritik von foodwatch wurde von der Großmolkerei Hochland abgewiesen. Die Begründung für die Verleihung des Goldenen Windbeutels würde sich nur auf die Verwendung des Begriffs „Freilaufkühe“ beziehen. Dies würde aber auf der Verpackung klar erläutert werden: „Für unsere Marke verwenden wir ausschließlich Milch von Kühen, die sich jederzeit frei im Stall bewegen können und nicht angebunden sind. Deshalb hält Hochland die Kritik für nicht angemessen und hat den „Preis“ nicht angenommen.“, erklärt die PR-Abteilung von Hochland auf Nachfrage der akduell.

Das Problem ist nicht nur die Begrifflichkeit

Der deutsche Tierschutzbund kritisiert das Viehhaltungssystem in Deutschland. Es müssten mehr Anpassungen der Haltungsbedingungen an die Bedürfnisse der Tiere geben, tiergerechte Haltungssysteme mit Auslaufmöglichkeiten, in denen die Tiere ihre arteigenen Verhaltensweise ausleben können. „Das Wohl der Kühe, deren Milch wir verarbeiten, war und ist uns sehr wichtig und wir arbeiten daran, es Schritt für Schritt weiter zu verbessern.”, hieß es weiterhin in der Erklärung von Hochland zum Schmähpreis.

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