Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Freiheit gibt es nur ohne Fahrschein

Pilotprojekt in Essen geplant: Kostenloser öffentlicher Nahverkehr für alle. (Symbolbild: dpe)

26.02.2018 09:20 - Dennis Pesch



Ein Kommentar von Dennis Pesch

Weil die EU in Erwägung zieht, Deutschland wegen der schlechten Werte bei den Stickoxiden in Großstädten zu verklagen, überlegt die Bundesregierung nun in einigen Städten Pilotprojekte für einen kostenlosen Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) durchzuführen. Zwei Städte, die dabei zur Auswahl stehen, sind Essen und Bonn. Das klingt mal nach einer guten Sache. Viel zu viele Menschen werden vom ÖPNV ausgeschlossen, denn – surprise, surprise – er ist viel zu teuer.

Stellen wir uns vor, die Bundesrepublik hätte so manche Millionen in die fahrscheinlose Mobilität investiert. Es gäbe einen ÖPNV vom Dorf in die Stadt und zurück, der für alle zugänglich und massiv ausgebaut würde. Was wäre dann los? Eigentlich nichts, denn damit wäre vielen Menschen geholfen und niemandem würde etwas weggenommen. Spätestens seit der Diskussion um die Streichung des Sozialtickets, auf das in NRW mehrere hunderttausend Menschen Anspruch haben, ist zudem klar: Mobilität ist eine Frage sozialer Gerechtigkeit. Das sieht man auch daran, dass es viele Studierende in NRW gibt, die sich nur für ein Ticket in diverse Studiengänge einschreiben. Die Konsequenz daraus ist, dass es mehr Studierende gibt, mehr Plätze an Universitäten braucht und eine politische und soziale Frage damit unbeantwortet bleibt, die auf Unis und einzelne Haushaltsposten im Land abgewälzt wird. Das offenbart, dass es hier ein Willensproblem gibt, insbesondere von einer selbsternannten politischen Mitte.

Wie sollen individuelle Freiheiten gewährleistet werden, ohne dass es die notwendigen politisch geschaffenen Voraussetzungen dafür gibt? Wo Individuen sich als Konkurrenz sehen, kann eine Gesellschaft keine Solidarität formen. Die Menschen grenzen sich voneinander ab, im schlimmsten Fall entladen sich hier als vermeintliche Lösung Ressentiments. Die Mobilitätsfrage kann davon nicht ausgenommen werden. Wenn es den politischen Willen gibt, einen fahrscheinlosen ÖPNV zu realisieren, dann wären mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Weniger Menschen im Knast, mehr Plätze für Studierende, Mobilität für alle und weniger Tote durch eine von Stickoxiden hoch belastete Luft. Wer eine politische Lösung für ein bekanntes Problem sucht: sie liegt gerade auf dem Präsentierteller. Hoffentlich traut sich jemand zuzugreifen.

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