Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Freie Bahn für fiese Vermieter*innen

Der Anruf bei dem*der Vermieter*in kann einen schon mal zur Verzweiflung bringen. (Foto: seg)

18.01.2018 23:07 - Julia Segantini



Ärger zwischen Mieter*innen und Vermieter*innen ist kein neues Thema; der Vermietende ist nicht erreichbar, Mängel werden erst nach Wochen beseitigt oder die Arbeit wird ganz einfach auf den Mietenden abgewälzt. Viele Studierende sehen sich besonders oft mit solchen Problemen konfrontiert. Nur wenige unter ihnen sind Mitglied beim Mieterschutz und ihre Unerfahrenheit wird oft ausgenutzt. Woran das liegt und wie man sich dagegen zur Wehr setzen kann, erklären die Mietergemeinschaft Essen e.V und der Mieterschutz im Revier.

Anaïs rollt mit den Augen. Die Heizung funktioniert schon wieder nicht richtig. Der Vermieter weiß darüber längst Bescheid. Angeblich hat er auch eine Firma beauftragt, die sich kümmern soll, behauptet er. Bisher ist aber noch nichts passiert und der Anruf an den Vermieter bleibt wie üblich unbeantwortet. Das komme öfter vor, berichtet die Studentin der Universität Duisburg-Essen (UDE). „Das beste ist, dass ich immer noch keinen Mietvertrag bekommen habe. Ich wohne schon seit fast fünf Monaten hier und obwohl mein Vormieter, meine Mitbewohnerin und ich selbst ihn mehrfach per Mail und Telefon daran erinnert haben, kam da bisher immer noch nichts. Ich habe es jetzt auch aufgegeben“, schildert Anaïs. Auch auf andere Anfragen hätte der Vermieter bisher nicht reagiert. „Im Treppenhaus gibt es an der Wand ein tropfendes Rohr, deshalb ist ein Treppenabschnitt immer ganz nass. Mal abgesehen davon, dass das gefährlich werden kann, sollte es ja auch in seinem Interesse liegen, dass ein undichtes Rohr in seinem Mietobjekt repariert wird“, findet Anaïs. Immerhin ließen sich aber inzwischen die Fenster alle vernünftig öffnen und schließen, fügt sie leicht ironisch hinzu.

Auch Roland, ebenfalls Student an der UDE, hat schlechte Erfahrungen mit seiner Vermieterin gemacht. Sie sei mit ihren Aufgaben heillos überfordert. Nachfragen beantworte sie zum Teil überhaupt nicht, „zum Beispiel warte ich seit fast zwei Jahren auf einen Stellplatz fürs Auto“, beschreibt er. „Gleichzeitig will sie aber, weil ich es einmal angeboten habe, dass ich mich um alles kümmere. So sollte ich für die andere freie Wohnung im Haus eine Wohnungsbesichtigung machen, ohne dass ich gefragt wurde“, beschwert er sich. Auch hätte sie ohne sein Wissen seine Handynummer weitergegeben. „Als ich mal auf den Tisch gehauen habe, dass das nicht in Ordnung ist, war sie vollkommen verständnislos“, schildert der Student.

Doch welche Maßnahmen kann man ergreifen, wenn Vermieter*innen nicht auf Anfragen reagieren? „Wichtig ist grundsätzlich, dass man alles schriftlich macht, also per Post, nicht per E-Mail. Als erstes kann ich dem Vermieter eine Frist setzen; wenn er die nicht einhält, kann ich die Miete kürzen“, erklärt Siv Mammitzsch, Geschäftsführerin der Mietergemeinschaft Essen e.V.. Die Höhe dieses Betrags ergebe sich aus einer Vielzahl von gerichtlichen Bestimmungen. Mietende dürfen das also nicht selbst bestimmen, sondern müssen sich an Stellen wie der Mietergemeinschaft Essen e.V. wenden, so Mammitzsch. „Dann gibt es noch den Unterschied zwischen einer Mietminderung und einem Mieteinbehalt. Die Minderung darf der Mieter behalten. Das ist das erste Druckmittel. Der Mieteinbehalt muss gegebenenfalls zurückgezahlt werden.

Natürlich kann die Gegenseite beide Druckmittel auch nicht anerkennen, dann kommt es erst recht zur Auseinandersetzung“, erklärt sie weiter. Besonders oft beträfen solche Fälle junge Menschen oder solche, die die deutsche Sprache nicht einwandfrei beherrschten. Bei Studierenden verlangten Vermieter*innen zudem häufig eine doppelte Absicherung. Das heißt: eine Kaution und zusätzlich eine Bürgschaft, zum Beispiel von den Eltern. „Beide Absicherungsleistungen zu verlangen ist aber nicht zulässig“, betont Mammitzsch.

Mieter*innen sind nicht machtlos

Gabriele Quednau, zweite Vorsitzende von Mieterschutz im Revier, bezweifelt, dass Studierende den Weg zum Mieterschutz fänden. Zunächst aus Unwissenheit, vor allem aber, weil die Mitgliedschaft nicht kostenlos ist. Unter den Mitgliedern befänden sich kaum Studierende, stellt sie fest. „Studierende lassen auch viel mit sich machen. Der Vermieter weiß, dass direkt der nächste auf der Matte steht, wenn einer auszieht und denkt sich‚ die sind schön unerfahren, dann ist es ja egal was drumherum ist und hat so freie Bahn.“ Asylbewerber*innen sähen sich zwar mit ähnlichen Problemen konfrontiert, würden aber zumindest von der Stadt insofern unterstützt, als dass diese sie zum Mieterschutz schickten, der sich dann um die Angelegenheit kümmere. „Studierende werden da leider nicht unterstützt“, bemängelt sie.

Laut Mammitzsch sei es aus diesen Gründen unerlässlich, von vorne herein aufmerksam zu sein. Zum Beispiel könne es bei einer Schadensmeldung Probleme geben, wenn den Mietenden bereits vor Einzug bekannt war, dass es beispielsweise keine Heizung gibt. „Deshalb ist das Protokoll so wichtig“, stellt sie klar. „Manche Schäden stellt man ja auch erst später fest und das muss man dann sofort schriftlich anzeigen. Sonst muss der Mieter beim Auszug eventuell für die Reparatur aufkommen“, warnt sie. Die häufigsten Beschwerden von Mietenden, die sie erreichten, drehten sich oft um Betriebskostenabrechnungen. „Die stehen ganz oben auf der Liste. Dann kommen Mängelbeseitigungen, Feuchtigkeit, Schimmelbefall und die kaputte Heizung im Winter ist auch so ein Klassiker“, erzählt sie.

Studierende können sich aber auch ohne Mitgliedschaft beim Mieterschutz wehren. Die Rechtsberatung des AStA kann zum Beispiel erste Abhilfe schaffen. Zweimal im Monat wird dort Studierenden eine kostenfreie anwaltliche Beratung angeboten, die innerhalb der Sprechzeiten auch telefonisch möglich ist.

/Beyond Borders/

From Dropping out of School to Getting into the University of Cambridge

 

|Theorieklatsche|

„Die Amis sind an allem Schuld“

Wir haben uns die strukturelle und gesellschaftliche Abwertung von dem Soziologen Heiko Beyer erklären lassen.
 

Feier-Utopie beim Campusfest

Rap, Punk, Rock: Am 29. Juni lädt der Allgemeine Studierendenausschuss zur Neuauflage des Campusfestes nach Duisburg.
 
Konversation wird geladen