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GESELLSCHAFT

Frankreich 2019: weibliche Berufe werden endlich sprachliche Realität

 

Die Académie française in Paris pflegt die französische Sprache. (Symbolbild: jab)11.03.2019 10:47 - Jacqueline Brinkwirth

Frankreich will für Berufe nun auch die weibliche Form offiziell ins Wörterbuch aufnehmen. Das haben die Sprachhüter der Académie française mit großer Mehrheit entschieden. Eine radikale Veränderung ist das allerdings höchstens in den Köpfen alter Männer.

Ein Kommentar von Jacqueline Brinkwirth

Die Académie française, bestehend aus 40 auf Lebenszeit berufenen Mitgliedern, kümmert sich seit fast 400 Jahren um die „Pflege und Vereinheitlichung der französischen Sprache“. Jahrelang wehrte sie sich gegen die Einführung weiblicher Berufsbezeichnungen und bezeichnete die Begriffe sogar als „Unworte“. Für einige Berufe wie Anwältin (l’avocate) oder Ingenieurin (l‘ingénieure) existiert in der Alltagssprache bereits eine weibliche Form, ins offizielle Wörterbuch hat es bislang jedoch keine geschafft. Auch Ministerinnen heißen in Frankreich immer noch „Madame le Ministre“ (Anm. d. Red.: le ist im Französischen der männliche bestimmte Artikel).

Damit bestärkte die Académie lange die Haltung, dass Frauen in bestimmten Professionen oder Ämtern nichts zu suchen hätten. Dass sich durch die Feminisierung von Berufsbezeichnungen an dieser Ansicht etwas ändert, bleibt fraglich. Die Medien begrüßen den Beschluss trotzdem, titeln „Französisch wird weiblicher“ und feiern damit abermals eine Entscheidung, die überwiegend alte Männer getroffen haben. Denn: 35 der 40 Mitglieder der Académie sind männlich und über 50. Nur vier sind Frauen, wobei eine Weitere noch auf ihre Aufnahme wartet.

Eine Schwierigkeit geschweige denn Revolution stellt die Änderung nicht dar. An die meisten Berufsbezeichnungen muss einfach nur ein -e angehängt werden. Warum die Académie so lang damit gewartet hat, weibliche Berufsformen offiziell zu machen, sich sogar vor fünf Jahren noch vehement dagegen ausgesprochen hat, bleibt unbeantwortet. Vermutlich war es einfach die Angst, dass die Feminisierung der Sprache eine radikale Feminisierung der Gesellschaft auslöst – und das ist bekanntermaßen der allerschlimmste Albtraum uralter Patriarchen. Für die Gesellschaft bedeutet die Änderung nur, dass die Realität von offizieller Seite bestätigt, festgeschrieben und somit sichtbarer wird: Dass Frauen in Frankreich in jeglichen Berufen seit mehreren hundert Jahren erfolgreich arbeiten und dass sie dies auch in Zukunft weiterhin tun werden. So steht’s dann schließlich bald auch im Wörterbuch.

P. S.: Hörbar werden weibliche Berufsbezeichnungen trotzdem nicht. Das -e soll stumm bleiben.

 

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