Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

„Feliz Watisdat?“ – Eine Weihnachtsgeschichte

Die Stechpalme. Kein Mistelzweig, aber auch gute Weihnachtsdeko.

[Foto:pixabay.com]

24.12.2020 19:55 - Canberk Köktürk

Jedes Jahr steht die eurozentrische Welt für einige Tage still. Die Weihnachtszeit dient als kleines Durchatmen am Ende des Jahres. Zum gemeinsamen Revue passieren lassen. Im Jahr 2020, das unsere Gemüter mit schlechten Nachrichten überflutet hat, wahrscheinlich wichtiger denn je. Obwohl ich die besinnlichste Zeit des Jahres kaum erwarten kann, war Weihnachten nicht immer ein Teil von mir.

Als nicht-christliches Kind war die Weihnachtszeit im Kindergarten, später in der Schule, im Freund:innenkreis und ganz besonders im Fernsehen eine nahe aber dennoch weit entfernte Welt für mich. Während meine Familie den alltäglichen Stress weiterlebte, sah ich meine Freund:innen mit ihren neuesten Spielzeugen, Fahrrädern und schicken Anziehsachen. Die Weihnachtszeit war die Materialisierung der Nichtzugehörigkeit in der eigenen Heimat. Gefangen zwischen Kulturen, die man beide nicht lebte.

Oh du Fröhliche!

Warum die Vorweihnachtszeit für unsere Redakteurin die schönste Zeit im Jahr ist. Ein Kommentar.
 

„Weihnachtsmann, ich hab' dir einen langen Brief geschrieben, dass dich alle Kinder lieben, und ich hoff', du liebst auch mich.“ Ja, liebst du denn auch mich, Mr. Weihnachtsmann, Sir? „Weihnachtszeit, Weihnachtszeit, sag allen Bescheid, dass Sido kommt und’n Sack ’bei hat, und Geschenke verteilt!“ Sido, hast du auch etwas für mich in deinem prall gefüllten Sack? Ob auf Super RTL oder MTV, überall Weihnachten. Auch die Naschereien in unserem unweihnachtlichen Zuhause bestanden aus Lebkuchen und Marzipan. Passive Weihnachten. „X-Mas“ war eine ganz besonders einsame Zeit für mich, die ich im Teenager-Alter mit meinen Punk-Freunden in Alkohol tränkte, die trotzdem „am nächsten Tag früh zur Omma“ mussten. In dieser Woche gehörte ich ganz besonders nicht dazu.

Es vergingen noch viele weitere Jahre bis ich verstand, dass Weihnachten mehr als eine Hybrid-Tradition aus Religion, Konsum und Alkohol ist. Der Überkompensation geschuldet, backe ich mittlerweile Plätzchen mit meiner Partnerin und schmücke unsere Weihnachtspalme. Die Geschenke werden aufgrund der Nachhaltigkeit nur im wöchentlichen Anzeigeblatt eingepackt. Falls gerade keine Pandemie wütet, besucht man die Familien und spielt Gesellschaftsspiele, die man nur für diesen Anlass gekauft hat. Es ist die Zeit im Jahr, auf die ich mich am meisten freue. Weihnachten ist eine kleine Pause am Ende des Jahres, die man bestenfalls mit seinen Liebsten verbringt. Nicht jede:r hat diese Möglichkeit.

Viele von uns haben durch die Pandemie ihren Alltag, Beruf und wichtige Menschen verloren. Andere mussten sogar in dieser Zeit ihre Heimat verlassen und sich auf eine grausame und schwierige Reise begeben. In diesen Momenten sollten wir solidarischer sein denn je und von unseren Privilegien abgeben können. Wenn ich etwas über die Weihnachtszeit gelernt habe ist es, dass sie ein Durchatmen am Ende eines langen Jahres ist. Vergesst nicht die Menschen, die sich keine Pause leisten können.
Fröhliche Weihnachten.

 

DIY: Dein Weihnachtsmarkt für zuhause

Wegen Corona fallen die Weihnachtsmärkte aus, aber wir haben eine Alternative für alle Weihnachtswichtel.
 

Weihnachten freiwillig allein?

Warum auch junge Menschen an Weihnachten gerne allein sind, hat uns eine UDE-Studentin erzählt.
 

Weihnachtsgeschenke: Wunschbaum für Kinder

Kinder, deren Eltern ein niedriges Einkommen haben, können Weihnachtswünsche im Grillo-Theater aufhängen.
 
Konversation wird geladen