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GESELLSCHAFT

EU-Entscheidung: Kein Verbot für Veggie-Burger

Schmeckt auch ohne Fleisch [Foto: pixabay]
06.11.2020 08:28 - Jacqueline Brinkwirth

Die Agrar-Lobby hatte vor dem EU-Parlament gefordert, vegetarischen Ersatzprodukten Bezeichnungen wie Schnitzel, Wurst oder Burger zu verbieten. Das EU-Parlament stimmte am 23. Oktober über einen entsprechenden Antrag des Landwirtschaftsausschusses ab – und entschied dagegen. Veggie-Produkte dürfen demnach weiterhin mit Fleischbezeichnungen beschrieben werden. Weniger Glück haben Ersatzprodukte für Milcherzeugnisse.

Ist die Wurst nun Veggie oder muss sie künftig Veggie-Stange heißen? Mit dieser Frage haben sich im Oktober die Abgeordneten des EU-Parlaments in Brüssel auseinandergesetzt. Auf Drängen der Agrar-Lobby, also Konzernen und Verbänden aus Land- und Viehwirtschaft, verhandelten die Parlamentarier:innen einen Antrag, der die Vermarktung von vegetarischen oder veganen Produkten unter Verwendung von Begriffen wie Steak, Schnitzel, Wurst oder Burger verbieten sollte. Fleischlose Ersatzprodukte hätten damit zukünftig nicht mehr solche Begriffe in ihrer Produktbeschreibung führen dürfen. Als Begründung wurde unter anderem angeführt, dass Verbraucher:innen in die Irre geführt und die Vertreiber:innen der Produkte „Fleischbezeichnungen kapern“ würden. 

Verbraucherschutz lobt Entscheidung

Das Parlament lehnte den Antrag jedoch ab und entschied, dass Veggieprodukte weiterhin beispielsweise als Wurst beschrieben werden dürfen. Europäische Verbraucherschutzorganisationen lobten die Entscheidung als „gute Neuigkeit“: Die Bezeichnungen erleichterten Verbraucher:innen die Integration von Fleischersatzprodukten in ihre Mahlzeiten. Doch nicht alle nicht-tierischen Produkte kamen so harmlos davon. Beim Ersatz von Milcherzeugnissen wird die Vermarktung künftig schwieriger. Seit 2017 dürfen rein pflanzliche Produkte bereits nicht mehr als Sojamilch oder Käse verkauft werden. Künftig sind auch Beschreibungen wie „-geschmack, -ersatz, Art“ verboten. 

Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace kritisierten die Debatte über pflanzliche Ersatzprodukte. Dass die Parlamentarier:innen sich dem Druck der Agrar-Lobby gebeugt hätten, sei „erbärmlich“. Seit Jahren wird von verschiedenen NGOs und Vereinen auf Lobbyarbeit im Brüsseler Umfeld aufmerksam gemacht. Vor allem der Agrar-Lobby wird vorgeworfen, die EU-Landwirtschaftspolitik stark zu beeinflussen und mögliche Änderungen im Bereich Umwelt- und Tierschutz damit zu blockieren. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) legte im April 2019 in einer Studie offen, wie eng auch in Deutschland die landwirtschaftlichen Interessensverbände und Agrarpolitik und Konzerne miteinander verflochten sind. Die Ergebnisse zeigen ein intransparentes und schwer zu durchdringendes Netzwerk aus Einzelpersonen und Unternehmen, die politischen Einfluss über Verbände wie den Deutschen Bauernverband (DBV) ausüben.

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