Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Es ist genug!

Bitte nicht anfassen. [Foto: Lena Janßen]

04.10.2020 15:45 - Lena Janßen

Wir leben im Jahr 2020 und noch immer müssen Frauen* sich in der Öffentlichkeit mit lästigen Blicken von Cis-Männern, Catcalling (übergriffige und sexualisierende Kommentare von Männern gegenüber Frauen*) und sexuellen Übergriffen herumschlagen. Besonders im Sommer, wenn es draußen heiß wird, haben Frauen* vermehrt mit Belästigungen zu kämpfen. In dieser Kolumne berichtet unsere Redakteurin von einem Vorfall, der ihr vor kurzem passierte.

Triggerwarnung: Hier wird ein sexualisierter Übergriff beschrieben.

Es ist ein früher Samstagmorgen im August und draußen sind es bereits 30 Grad in der Sonne. Ich stehe vor meinem Kleiderschrank und greife zu Shorts und einer Bluse.

Für eine längere Hose ist es definitiv zu warm und trotzdem überlege ich mir dreimal, ob ich die Shorts tragen möchte. Denn ich weiß aus eigener Erfahrung: Werden die Klamotten im Sommer kürzer, werden Frauen* häufiger Opfer von belästigenden Blicken und Catcalling. Doch mein Selbstbewusstsein ist okay und so entscheide ich mich für die Shorts. Frohen Mutes trete ich meinen Weg zum Bahnhof an, um in der Heimat meine Familie zu besuchen. 

Kurz vor meinem Ziel passiert jedoch Folgendes: Auf der Straße läuft mir ein Mann entgegen und schon aus der Ferne bemerke ich, dass er mich breit angrinst. Um dummen Kommentaren oder gar einem Gespräch aus dem Weg zu gehen, verändere ich meinen Gesichtsausdruck, meide jeglichen Blickkontakt und laufe weiter links auf dem Bürgersteig. Besagten Typen hält dies nicht davon ab, geradewegs auf mich zu zu laufen. Ich rechne damit, von ihm angesprochen zu werden, und versuche einen Bogen um ihn zu gehen. Mein Schritt wird schneller und als ich gerade noch rechtzeitig meine Hüfte zur Seite schiebe, um nicht mit ihm zu kollidieren, passiert etwas, mit dem ich nicht gerechnet habe: Er schnalzt widerlich mit der Zunge und fasst mir im Vorbeigehen an den Po. Zeitgleich verfalle ich in eine Schockstarre, kann nicht glauben, dass er das wirklich getan hat. Er wiederum läuft weiter und als ich mich umdrehe, grinst er noch einmal in meine Richtung. Ich kann das Machtgefühl aus seinem Blick herauslesen. 

Fassungslos regungslos

Vollkommen irritiert blicke ich mich um: Niemand hat den Vorfall bemerkt und ich stehe zu sehr unter Schock, um zu reagieren. Aufgewühlt und am ganzen Körper zitternd setze ich meinen Weg fort. Ich fühle mich eklig. Gleichzeitig ärgere ich mich, mich nicht gewehrt zu haben. Wie kann es sein, dass Frauen* solche Dinge immer wieder passieren, frage ich mich. Bei meiner Familie angekommen habe ich das große Bedürfnis zu duschen. Und das tue ich: fünf Mal an diesem Tag.

Frauen* wird auf der Straße hinterher gepfiffen oder „Geiler Arsch“ zugerufen.

Außerdem muss ich mich in der Nacht übergeben, denn die Situation will mir nicht aus dem Kopf gehen. Ich werde immer wütender: Während dieser Widerling mit seinem Verhalten davon kommt, sich Frauen* gegenüber mächtig und überlegen fühlt und sie immer wieder belästigen wird, liege ich nachts wach, fühle mich schmutzig und möchte einfach keine Frau mehr sein. 

Denn als Frau* überlegst du dir dreimal, was du tragen kannst, ohne belästigt zu werden. Frauen* müssen Pfefferspray bei sich tragen und Selbstverteidigungskurse belegen, um sich im Notfall verteidigen zu können. Frauen* halten auf dem Heimweg in der Nacht ihren Schlüssel in der Hand und telefonieren mit Freund:innen, weil sie Angst haben müssen. Frauen* wird auf der Straße hinterher gepfiffen oder ein „Geiler Arsch“ zugerufen. Wir sind verdammt nochmal keine Objekte. Männer haben kein Recht, unsere Körper zu sexualisieren. Wir sind Menschen! Wenn ich noch jemals jemandem begegne, der:die mir sagt, wir bräuchten keinen Feminismus: Ganz ehrlich, den:die box ich!

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