Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Erzähl’ danach, wie es war!

Ob ganz offen oder hinter vorgehaltener Hand – fast Jede*r spricht über Sex.
[Foto: Julia Segantini]

06.11.2019 12:26 - Julia Segantini

Zumindest mit der besten Freundin kann man über alles reden…oder? Wie sieht es mit den intimsten Gedanken zu unserem Sexleben aus? Darüber, wie Frauen über Sex und Sexualität reden haben, wir mit Carsten Müller von der Praxis für Sexualität in Duisburg und mit Annika, Studentin der Ostasienwissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum, gesprochen. 

Wie Menschen mit Sexualität umgehen, erlebt Carsten Müller, Geschäftsführer der Praxis für Sexualität in Duisburg und Sexual- und Paartherapeut, täglich. „Ich stelle fest, dass es Angst, Sorgen und Scham gibt und oft die Sprache fehlt. Dabei braucht es jetzt mehr Sprache denn je“, meint er. Heutzutage seien mediale Einflüsse sehr stark und übten großen Druck bei dem Thema aus. 

Annika spricht mit ihren Freundinnen gern über Sex, manchmal auch mit ihren Dates. Dabei gehe es meist um Vorlieben, Tabus, Erfahrungen und Probleme, aber auch um konkrete Themen: „Wie war der Sexualpartner drauf, was hat er gemacht und natürlich kommt auch die Klischeefrage ‚wie war es?‘“. Hemmungen hat sie dabei kaum. „Über Sex reden macht einfach Spaß. Es ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens und macht glücklich. Vor allem natürlich, wenn man verliebt ist, oder einfach nochmal in den Erinnerungen schwelgen will“, meint sie. Wichtig findet sie aber auch den Austausch über Probleme und Sorgen.  

Eine Frage der Sozialisation

Dass sie so selbstverständlich darüber kommunizieren kann, ist nicht bei jeder Frau der Fall. „Frauen wird in ihrer Sozialisation immer noch sehr wenig zugestanden, eigene Lust, Sexualität und Masturbation zu erleben“, erklärt Müller. Unter Frauen würden diese Themen deshalb leider seltener besprochen als unter Männern.

„Über Sex reden macht einfach Spaß.“

Das läge unter anderem daran, dass es sehr klare Normen und Geschlechterrollen in Sachen Sexualität gebe. „Gerade wenn wir mit jungen Menschen arbeiten, erleben wir häufig, dass Männer erzählen, wie toll sie Sexualität ausleben, und Frauen sich für die Sexualität des Mannes verantwortlich fühlen“, berichtet der Sexual- und Paartherapeut. Ihm geht es in seiner Praxis deshalb vor allem darum, Menschen zu befähigen, in bewusste Entscheidungsprozesse zu kommen.

Auch wenn Annika sich in Gesprächen über Sex wohlfühlt, kann sie verstehen, dass andere sich dadurch eingeschüchtert fühlen können. Sie kenne Leute, bei denen nur das Wort ‚Sex‘ Empörung auslösen würde. Ihrer Meinung nach könnte das mit fehlender Aufklärung zu tun haben. „Nicht jeder kann oder will offen über alles reden. Wenn man als so Jemand dann solche Gespräche mitbekommt, fragen sich vielleicht viele: ‚Warum hab ich das nicht gemacht? Habe ich etwas verpasst?‘“. Auch Müller weiß, dass dahinter vor allem Sorgen und Ängste und Fragen nach Identität und Selbstwert stecken. „Es gibt immer eine Hemmschwelle. Nackiger als bei Sexualität kann man nicht sein – im wahrsten Sinne des Wortes.“

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