Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral

Traditionelle polnische Osterkörbe voller Essen
[Foto: Saskia Ziemacki]

05.04.2021 14:03 - Saskia Ziemacki

Die Lebensmittelindustrie boomt, in Supermärkten gibt es einen Kundenansturm – es ist mal wieder Ostern. Und hier geht es vor allem um eins: ums Essen. Ich kenne dabei die evangelisch-deutsche Sicht, in der nicht einmal vorgegeben wird, dass Ostern etwas anderes als Essen bedeutet, und die katholisch-polnische Sicht, die ihr Essverhalten immerhin auf Traditionen stützt.

Eine Kolumne von Saskia Ziemacki

Gestern war Ostersonntag und ich bin dieses Jahr nicht zur Familie gefahren. Natürlich hat Corona etwas damit zu tun. Doch zu Weihnachten hätte ich mir die Frage gar nicht erst gestellt, ob es nach Hause geht oder nicht.

Da kommt die Familie auf jeden Fall zusammen, egal wie die Corona-Fallzahlen sind. Ostern bedeutet mir jedoch nichts. Wenn ich an die Festtage zurückdenke, denke ich an viel zu viel Schokolade und mit Farbe durchtränkte Eier aus Bodenhaltung. Oder daran, dass meine Mutter sich eine Woche vor Ostern nur von Wasser und Brühe ernährt hat. Denn traditionell beginnt man schon 40 Tage vor Ostern damit, über Essen nachzudenken. Nämlich darüber, nichts zu essen. Nach Aschermittwoch beginnt eine Fastenzeit, in der heutzutage vielleicht höchstens auf Süßigkeiten, Fleisch oder Alkohol verzichtet wird. Umso ausschweifender kann dann das Fest werden.

In Polen wird das Essen offiziell für heilig erklärt

In Deutschland haben wir als Kinder zu Ostern Süßigkeiten im Garten gesucht und dann bei einem üppigen Frühstück die am Vortag gefärbten Eier gegessen. In Polen benötigt es viel mehr Vorbereitung. Meine Tante verlässt an diesen Tagen kaum die Küche. Der erste Tagespunkt: einen Osterkorb zusammenstellen. In den gehören Dinge wie Wurst, Eier, Meerrettich, Salz, Brot und Süßigkeiten sowie ein Hefegebäck in Form eines Lämmchens. Der Korb wird schön angerichtet und mit einem Spitzendeckchen abgedeckt.

Damit geht es dann am Samstag in die Kirche. In einer Massenabfertigung wird man durch den Prozess geschleust, um seinen Korb und das Essen darin segnen zu lassen. Es findet keine Messe statt, der Priester spritzt nur Wasser auf die Körbe und nach 15 Minuten geht es wieder nach Hause. Da wartet dann ein großes Frühstück auf alle. Am Sonntag geht es in die richtige Ostermesse. Eine Stunde, die einem als Kind fast unerträglich erscheint. Der Magen schon so geweitet vom vielen Essen, dass man auch in der Kirche wieder nur an den gedeckten Tisch zu Hause denken kann.

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Das Essen der Osterkörbe wird in der Kirche in Polen gesegnet.
[Foto: Saskia Ziemacki]

 

Den restlichen Tag wird nur noch gegessen. Es gibt Zurek, eine Mehlsuppe mit Weißwurst, serviert in einem ausgehöhlten Brötchen; einen Krauteintopf namens Bigos, Schinken und Rote Bete mit Meerrettich sowie diverse Arten von Fisch. Nicht zu vergessen die ganzen Kuchen. Traditionell gibt es einen Osterkuchen, den sogenannten babka wielkanocna, einen Hefekuchen in Gugelhupfform sowie Mazurek, ein aufwändig verzierter flacher Kuchen. Am Ostermontag werden dann Eier und Süßigkeiten im Garten oder im Wald gesucht, die danach natürlich gegessen werden.

Jesus und das Schoko-Osterei

Doch woher kommt der ganze Süßigkeiten-Trend zu Ostern? Denn vermutlich wissen die meisten, ob religiös oder nicht, dass es bei Jesus noch keine Schokolade auf dem Tisch gab. Beim letzten Abendmahl gab es bei ihm Brot, Lamm und Wein. Zucker wurde erst im Jahre 600 nach Christus in Persien aus Zuckerrohr gewonnen. Schoko-Ostereier sind eine moderne europäische Tradition, entwickelt im 19. Jahrhundert in Deutschland und Frankreich. In England wurden sie dann erstmals zum Massenprodukt.

Es dauerte nicht lange, bis sie auf der ganzen Welt eine beliebte Leckerei zu Ostern wurden. Und wer kann uns verdenken, dass wir auch neben den großen Mahlzeiten noch essen möchten. Denn Essen ist gesellig und bringt die Familie zusammen. Auch Jesus hat am Gründonnerstag sein letztes Abendmahl mit seinen Jüngern gefeiert. Umso ironischer ist es jedoch, dass wir den Tag, an dem es ums Essen ging, heute nicht mehr feiern.

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