Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Endlich konsequent – nur nicht gegen Rassismus

                           Dietmar Hopp im Fadenkreuz der Fans[Foto: David Peters]                                         02.03.2020 12:19 - David Peters

Das vergangene Fußball-Bundesliga-Wochenende wurde von Spielunterbrechungen überschattet, mancherorts drohte sogar ein Abbruch. Der deutsche Fußballbund zeigt endlich, wie konsequent er agieren kann – allerdings nicht gegen Rassismus, sondern gegen Beleidigungen, die sich gegen Dietmar Hopp richten.

Ein Kommentar von David Peters

Ausnahmezustand in der Fußball-Bundesliga: Schiedsrichter unterbrechen Spiele, Mannschaften verlassen das Feld, Verantwortliche vieler Vereine geben Stellungnahmen ab, die Polizei richtet sogar eine eigene Ermittlungsgruppe ein. Bundesweit solidarisierten sich sich Fanszenen mit Dortmunder Fans. Diese wurden vom DFB mit einer Kollektivstrafe belegt, in den nächsten zwei Jahren dürfen sie keine Auswärtsspiele ihrer Mannschaft in Hoffenheim besuchen. Vorausgegangen war ein Konflikt mit Dietmar Hopp, dem Mäzen der TSG Hoffenheim. BVB-Fans hatten ihn wiederholt als „Hurensohn“ bezeichnet. Eine Beleidigung, die auch in anderen Stadien am Wochenende vielfach skandiert wurde. 

Der DFB sollte sich überlegen, ob er seine Prioritäten nicht falsch gesetzt hat.

Keine Frage, es ist kein Fehler des DFBs, wenn er konsequent gegen Beleidigungen vorgehen will. Für Unverständnis sorgt allerdings die Tatsache, dass der DFB so konsequent handelt, um einen einzigen Milliardär zu schützen, der zufällig auch noch Sponsor des DFB ist. Wenn es aber um Rassismus geht, dann handelt der Verband halbherzig. Als Jordan Torunarigha von Hertha BSC Berlin in einem DFB-Pokalspiel von Schalker Fans rassistisch beleidigt wurde, stand ein Spielabbruch nicht zur Debatte. Ist Rassismus nicht ein größeres Problem, als die Befindlichkeiten eines einzelnen alten, weißen Mannes, der sich mit seinem Geld einen Fussballverein zusammengeschustert hat? 

Was empfiehlt der DFB eigentlich, wenn es um Rassismus geht? Angesichts der zunehmenden rassistischen Vorfälle in deutschen Stadien sagte DFB-Integrationsbotschafter Jimmy Hartwig vergangene Woche: „Wenn ihr im Stadion seid und hört diese Rufe, dann geht auf diese Leute zu und sagt denen: Wir wollen Fußball schauen. Oder ihr lasst sie alleine stehen und geht von ihnen weg, um sie bloßzustellen.“

Fussball gucken und weggehen sind keine sinnvollen Strategien zur Bekämpfung von Rassismus. Der DFB sollte sich überlegen, ob er seine Prioritäten nicht falsch gesetzt hat. Selbes sollte für die Verantwortlichen der Bundesligavereine gelten, die sich mit ihren Solidaritätsbekundungen für Herrn Hopp überschlagen. Rassismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem – eine Beleidigung gegen einen einzelnen süddeutschen Milliardär eher ein Luxusproblem.
 

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