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GESELLSCHAFT

Eine:r will immer mehr? Verliebt in eine:n Freund:in

Liebeskummer [Foto: Lena Janßen]
23.06.2022 13:19 - Lena Janßen

Was passiert, wenn man sich in eine:n langjährige:n Freund:in verliebt? Gesteht man seine Gefühle oder hält man um der Freundschaft Willen die Füße still? 

Eine Kolumne von Lena Janßen

Marvin* und ich lernten uns während der Schulzeit kennen. Ab der zwölften Klasse besuchten wir dieselben Leistungskurse und auf der Studienfahrt an den Gardasee freundeten wir uns an. In den Fünf-Minuten-Pausen quatschten wir über dieses und jenes und nach der Schule chatteten wir auf Facebook. Marvin war ein großer, breitschultriger Typ, der es schon damals verstand, Menschen ein gutes Gefühl zu geben. So kam es, dass ich zum Ende des zwölften Schuljahres die ersten Gefühle für ihn entwickelte. 

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Ich erzählte meiner Freundin Tina*, dass ich mich in Marvin verknallt hatte. Sie war Feuer und Flamme und versicherte mir augenblicklich, sie würde alles in ihrer Macht stehende tun, um uns zu verkuppeln. Ich war jedoch schüchtern und meine Unsicherheit verbat es mir, ihr mein Einverständnis zu geben. Also hielten wir beide die Füße still.

Nach den Sommerferien erzählte mir ein Mitschüler, dass Marvin eine Freundin habe. Geknickt beschloss ich endgültig, meine Gefühle für mich zu behalten und die Freundschaft wie gewohnt aufrecht zu erhalten. 2012 machten wir Abitur und mich zog es zum Studium nach Bonn. Marvin blieb in der Heimat, studierte in Düsseldorf und zog mit seiner Freundin zusammen. Wir hielten sporadisch Kontakt, gratulierten uns zu Geburtstagen und sahen uns hin und wieder im Getränkemarkt, in dem er jobbte.

Immer zwischen Hoffen und Bangen

Die Zuneigung, die ich ihm gegenüber empfand, verging nie ganz. Wenn ich ihn traf, dann schwang immer die Hoffnung mit, es könnte doch noch ein Paar aus uns werden. Nach sechs Jahren endete seine Beziehung und unser Kontakt wurde wieder intensiver. Wir tauschten beinah täglich Nachrichten. Schnell waren meine Gefühle für ihn zurück. Bei einem Treffen im Winter 2017 küssten wir uns zum ersten Mal. Ich freute mich, mein Verliebtsein endlich ausleben zu können. Doch recht bald kam es häufiger zu Auseinandersetzungen zwischen uns. Meine Gefühle setzten ihn unter Druck. So sehr, dass er den Kontakt für ein Jahr abbrach. 

Ich konnte mit der Funkstille nicht umgehen und versuchte immer wieder ihn zu kontaktieren. Schließlich meldete er sich und wir sprachen uns bei einem Kaffee aus. Er hatte mittlerweile eine neue Freundin und während er mir von ihr erzählte, versetzte es mir erneut einen kleinen Stich. Die beiden führten eine offene Beziehung und so kam es, dass Marvin und ich wieder häufiger morgens nebeneinander aufwachten. Ich begann erneut zu hoffen. 

Als 2020 die Corona Pandemie begann, sahen wir uns gar nicht mehr. Bis auf einen Tag im Sommer. Wir fuhren mit zwei Durstlöschern in den Park und spazierten eine Weile. Ich kam gerade aus einer schwierigen Beziehung und er tröstete mich. Nach unserem Treffen bemerkte ich, dass sich an meinen Gefühlen für Marvin etwas verändert hatte. Ich konnte mich rein freundschaftlich von ihm trösten lassen, ohne direkt Hoffnung auf eine Beziehung mit ihm aufkeimen zu lassen.

Das Gefühl der platonischen Freundschaft zu Marvin ist bis heute nicht vergangen. Wir haben keinen regelmäßigen Kontakt, aber ich freue mich immer von ihm zu hören oder ihn zu sehen. Dann gehe ich nach Hause, ohne in Gedanken an ihn zu versinken. Dass meine romantischen Gefühle für ihn vergangen sind, ist eine Erleichterung für mich. Heute kann ich endlich die freundschaftliche Beziehung zu ihm genießen.

*Namen von der Redaktion geändert

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