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GESELLSCHAFT

Ein schlechter Aprilscherz

Ein Widerspruch kann psychisch Erkrankte viel Kraft kosten. [Foto: Lena Janßen]
04.05.2020 11:55 - Lena Janßen

Anfang April bekam unsere Redakteurin Lena Post von ihrer Krankenkasse. Ihr Antrag auf Therapie wurde abgelehnt. Was nun?

Ein Kommentar von Lena Janßen

Am 1. April bekam ich Post von meiner Krankenkasse, auf die ich bereits seit Anfang des Jahres wartete. Meine Therapeutin und ich hatten im Januar entschieden, einen Antrag auf weitere 20 Therapiesitzungen zu stellen. Dieser wurde nun abgelehnt. Passend zum Datum, erschien mir dieses Schreiben wie ein schlechter Witz.
Seit mehreren Monaten schon ängstigt mich der Gedanke, ich könnte nicht mehr zur Therapie gehen. Ich sehe zwar meine Fortschritte, fühle mich aber noch nicht in der Lage ohne eine ambulante Therapie auszukommen. Nach diesem Gefühl fragt bei der Krankenkasse aber niemand. Im Gespräch mit meiner Therapeutin erklärt sie mir, dass der zuständige Gutachter für meinen „Fall“ gewechselt hat und dieser aufgrund der eingereichten Unterlagen entschieden hat, dass ich keine Therapie mehr brauche.

Ein Mensch, der mich nie getroffen hat, der mein Leben mit Depressionen nicht kennt, trifft auf Grundlage weniger Unterlagen ein solches Urteil. Und stellt mich vor vollendete Tatsachen. Bevor ich überhaupt wütend sein konnte, überfiel mich Panik: Was passiert jetzt? 

„Auch wenn der Widerspruch nicht durchgeht, es gibt Möglichkeiten“

In meinem Kopf spielten sich die wildesten Szenarien ab. Würde ich ohne Hilfe klarkommen? Erst im November hatte ich meine letzte depressive Krise. In dieser Zeit konnte ich meine Therapeutin jeden Tag sehen oder mit ihr telefonieren. Keine Selbstverständlichkeit. In all den Jahren, in denen ich in Behandlung war, hab ich keinen Menschen getroffen, der so ist, wie sie. Das ich mich zu gegebener Zeit von ihr trennen muss, ist mir bewusst. Aber zu gegebener Zeit bedeutet für mich: meine Therapeutin und ich entscheiden zusammen darüber, wann ich ohne eine ambulante Hilfestellung zurecht komme. Und nicht irgendein Beamter der Krankenkasse.
Wir haben Widerspruch eingelegt. Dafür haben Betroffene einen Monat Zeit. Ein Widerspruch dieser Form ist unnötiger Papierkram, der Menschen mit psychischer Erkrankung viel Kraft kosten kann. „Auch wenn der Widerspruch nicht durchgeht, es gibt Möglichkeiten“, sagt meine Therapeutin. Und auch wenn ich mich von meiner Krankenkasse im Stich gelassen fühle, meiner Therapeutin vertraue ich. Jetzt heißt es abwarten.
 

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