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GESELLSCHAFT

Ein Plädoyer für Periodensex

Periode und Sex lassen sich für manche nicht kombinieren. [Foto: Lizenzfreies Bild von Pixabay]

14.01.2020 21:15 - Redaktion

Teil 11 der Unisex-Kolumne: Warum Periodensex nicht eklig ist und die Abscheu davor gesellschaftlich indoktriniert ist.

„Sie hat ihre Tage, wir können gerade keinen Sex haben.“ Für Viele bedeutet die Periode eine Pause vom Sexleben. Und das häufig, weil Männer sich davor ekeln. Aber warum eigentlich? Wenn Frauen ihr Sperma schlucken, finden viele Männer das gut. Und das soll nicht eklig sein? Das ergibt keinen Sinn, findet auch Emil*, Geschichtsstudent* an der Universität Duisburg-Essen.

Emils Meinung zum Thema Sex während der Periode ist klar: „Solange es für die Frau, die die Periode hat, kein Problem ist, ist es für mich auch keins.“ Bisher kam es bei ihm dazu nur mit Frauen, mit denen er sich in einer längeren, meist monogamen Beziehung befand. Unangenehm findet er das überhaupt nicht. Dass es anderen dabei nicht so geht, hat seiner Meinung nach komplexere Gründe als reine Abscheu. „Ich ekele mich auch nicht, wenn ich mir beim Kochen in den Finger schneide. Daher hat der Ekel scheinbar mit dem weiblichen Körper und der Stelle, die blutet, zu tun“, vermutet er. Damit sei der Ekel unmittelbar mit der Frau verknüpft, was auf ein problematisches, unaufgeklärtes Frauenbild vor allem bei Männern hinweise.

„Ich denke, dass der Ekel vieler – in erster Linie Männer – das Spiegelbild einer insgesamt misogynen und patriarchalen Gesellschaft ist, in der Frauen als Sexualobjekte funktionieren und als rein und sauber wahrgenommen werden sollen“, ist er sich sicher. Periodensex werde also mit Unreinheit verbunden. 

Pornos würden zudem suggerieren, dass Analsex eine sehr beliebte Praxis ist. „Was an Blut jetzt ekliger sein soll, als an der Möglichkeit, ein Bröckchen Kacke am Schwanz zu haben, ist, denke ich, Teil einer Frauen und deren Körperlichkeit verachtenden Ideologie“, meint er. Selbst Männer, die sich selbst als Feministen bezeichnen, hätten diese meist nicht ansatzweise überwunden. Er ist sich sicher: „Hier hat die Gesellschaft ganze Arbeit in negativer Form geleistet, da Sex überhaupt nicht frei erfahren werden kann, sondern alle unter den von Pornos vermittelten Imperativen leiden“. 

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Emil hat deshalb einige Praxistipps. Wichtig sei, offen darüber zu reden und Bedürfnisse und Wünsche zu klären, so der Student. „Ich benutze immer ein Kondom, ob bei Periodensex oder nicht. Egal, wie die Frau verhütet – es ist mir wichtig, selbst für die Verhütung zu sorgen, die oftmals auch an die Frauen ausgelagert wird“, stellt er klar. Etwas Blut auf der Matratze störe ihn nicht sonderlich und schließlich könne man dem mit einem Handtuch oder einer Decke vorbeugen. Mehr Tipps findet ihr hier

Vor allem wünscht er sich aber, dass besonders Männer darüber nachdenken, warum sie Periodensex eigentlich abstoßend finden. Die Frauen in seinem Umfeld hätten eher kein Problem damit, Sex während ihrer Tage zu haben oder würden es sogar mögen, „was aber natürlich auch wieder von den Individuellen Voraussetzungen der Periode abhängig ist, ob sie etwa starke Schmerzen mit sich bringt“, betont er. Die meisten seiner männlichen Freunde würden sich dagegen ekeln – „aus, wie ich denke, strukturell misogynen Motiven, die sie selbst noch nicht (ausreichend) reflektiert haben.“ Sein Appell: Habt Sex während der Periode!

*Name und Studienfach von der Redaktion geändert

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