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GESELLSCHAFT

Beziehungsweise

Ein Liebesbrief an die Freundschaft

09.03.2020 14:00 - Jacqueline Brinkwirth

Liebe ist Liebe. Das gilt für romantische Beziehungen ebenso wie für Freundschaften. Deswegen ist es auch völlig ok, in eine*n Freund*in verknallt zu sein. akduell-Redakteurin Jacqueline hat im Beziehungsweise aufgeschrieben, warum wir unseren Friend Crush mehr zelebrieren sollten. 

Fünf Jahre ist es her, dass ich Jonas über eine gemeinsame Freundin kennenlernte. Obwohl wir uns auf Anhieb gut verstanden, war ich zu Beginn nicht sicher, ob wir je mehr werden würden als gute Bekannte. Wie das mit Freund*innen von Freund*innen eben so ist, trafen wir uns sporadisch bei der ein oder anderen Hausparty wieder, unterhielten uns und lernten uns so immer besser kennen. Wir lachten viel miteinander. Das ist etwas, was uns bis heute verbindet: unsere Leidenschaft für schwarzen Humor.

 

Mit der Zeit wurde aus guter Bekanntschaft echte Freundschaft und dafür bin ich heute unglaublich dankbar. Denn Jonas ist einer der besten Menschen, die ich kenne. Herzlich, intelligent, immer für ein Abenteuer zu haben, offen und erschreckend ehrlich – das sind nur einige Züge seines wundervollen Wesens. Was ihn für mich zu etwas Besonderem macht, ist aber vor allem sein Talent, mich einfach zu verstehen. Vor Jonas muss ich mich nie erklären, er weiß einfach in jeder Sekunde, wie ich die Welt sehe, etwas Gesagtes meine oder warum ich mich vor Lachen gerade nicht halten kann. Und ich liebe ihn dafür, dass er das tut, auch ohne viele Worte. Das klingt furchtbar kitschig und das ist gut so. Denn ich kann mit Worten ohnehin kaum beschreiben, wie tief meine Liebe für diesen Menschen ist. 

Wir sind uns sehr ähnlich, Jonas und ich. Nicht nur, was den Charakter betrifft, auch unsere Sicht auf die Welt, unser Leben und die Menschen in unserem Umfeld ist erschreckend übereinstimmend. „Verwandte Seelen in einer traurigen Welt“, hat Jonas es einmal treffend beschrieben. In diesem Moment habe ich das erste Mal gemerkt, wie verknallt ich eigentlich in ihn bin. Das ist ein Gefühl, das ich bis heute habe, manchmal sogar inklusive Schmetterlingen im Bauch. Meine Mama fragt mich manchmal, warum er und ich kein Paar sind, wenn wir uns doch so gut verstehen. Diese Frage habe ich mir selbst schon mehr als einmal gestellt.

Platonische Liebe sollte genauso laut zelebriert werden wie romantische Liebe.

Mittlerweile habe ich eine Antwort darauf gefunden. Denn bei aller Liebe die wir füreinander empfinden, sind wir einfach viel mehr als romantische Partner*innen jemals für einander sein könnten. Wir sind zwei Hälften eines Ganzen. Jonas hat einen großen Teil dazu beigetragen, dass ich heute der Mensch bin, der ich bin. Ich denke, das ist umgekehrt genauso. Weil wir „nur“ Freunde sind, haben wir so viel mehr Raum, um füreinander da zu sein. Unsere Freundschaft ist einfach; das ist das Schönste an ihr. Wir müssen uns nicht nackt gesehen haben, um einander in- und auswendig zu kennen. Wir können gnadenlos ehrlich miteinander sein, weil wir keine Angst haben müssen, irgendwelche romantischen Gefühle zu verletzen. 

Das Vertrauen darauf, dass Jonas immer da ist und auch immer da sein wird, gibt mir die Sicherheit mein Leben ohne Angst vor morgen zu leben. Allen Höhen, allen Tiefen und allem Scheiß dazwischen begegnen wir gemeinsam. Ich glaube, dass platonische Liebe genauso oft und genauso laut zelebriert werden sollte wie romantische Liebe. Denn was gibt es Schöneres im Leben als die wundervollen Menschen zu feiern, die jeden Weg mit uns gehen, jedes Hindernis überwinden und egal wann egal wo einfach da sind? Das hier ist ein Liebesbrief für Jonas, weil ich manchmal vergesse zu sagen, wie gern ich ihn habe und wie dankbar ich dafür bin, ihn um mich zu haben. Wenn Jonas eine Farbe wäre, wäre er Azurblau. Leuchtend, wie der Himmel im Sommer. Turbulent, wie die Nordsee an einem stürmischen Tag. Unerschütterlich, wie die eisigen Gletscher der Alpen. Mein Leben ist bunter, weil Jonas einen Platz darin hat. Das kann ich gar nicht oft genug in Worte fassen. 

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