Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Ein absurder Karneval

Menschenmassen auf der Zülpicher Straße in Köln [Foto: Saskia Ziemacki] 02.03.2022 11:15 - Saskia Ziemacki

 

Am 24. Februar wurde der Karneval eingeläutet – und das zu Zeiten der Pandemie und des Ukraine-Krieges. Was das für den Karneval bedeutet und wie die Stimmung in Köln und Düsseldorf ist, verrät unsere Redakteurin, die an Altweiber und Rosenmontag vor Ort war.
 
Eine Kolumne von Saskia Ziemacki

Menschengedränge gegen gähnende Leere. So könnte man Köln und Düsseldorf an den Karnevalstagen vergleichen. Dieses Jahr kann sich Düsseldorf nicht gegen seine größte Karnevalskonkurrenz behaupten. Denn coronabedingt werden alle Veranstaltungen abgesagt, die Plätze und Straßen sind leer. Teilen sich die Massen normalerweise auf zwei Städte auf, müssen nun alle nach Köln ausweichen. Wer aufgrund der Pandemie lange nicht auf Großveranstaltungen war, bekommt hier wahrscheinlich einen klaustrophobischen Anfall.

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Von Magdalena Kensy in Gesellschaft
 

Wir versuchen, auf die Zülpicher Straße zu kommen. Sie ist Dreh- und Angelpunkt im Kölner Karnevalsgeschehen. Zu allen Seiten ist sie für einen 2G-Nachweis abgesperrt. Gegen Mittag ist die Menschenmenge so groß, dass der Einlass erstmal gestoppt wird. Wir werden vor der Absperrung von feierwütigen U18-jährigen hin und her geschubst. Um dem zu entkommen, winden wir uns aus der Masse und suchen uns einen ruhigeren Kiosk. Eine Dose Kölsch kostet drei Euro – lange können wir also auch dort nicht ausharren.

Gegen Nachmittag entspannt sich die Lage vor der Zülpicher Straße. Wir passieren die Einlasskontrollen und suchen uns direkt eine Bar. Maskenpflicht und 2G-plus-Nachweis? Fehlanzeige. Die Bars haben Tanzflächen und es sieht so aus, als hätte es Corona nie gegeben. Die von vielen ersehnte gesetzlich geregelte Club-Öffnung am 04. März wurde hier unbemerkt eine Woche vorgezogen. Eine Mischung aus dem Gefühl, dass ich diese Freiheit genieße und deswegen gleichzeitig ein schlechtes Gewissen habe, macht sich in mir breit.

Friedensdemo unter Jecken?

Es ist Rosenmontag. Von einigen Seiten höre ich, dass Karneval aufgrund einer Friedensdemo für den Ukraine-Krieg nun auch in Köln abgesagt wurde. Wir fahren trotzdem. Die Demo findet statt, abgesagt wurde dafür aber nichts. Die Stimmung auf der Zülpicher Straße ist absurd. Verkleidete und nicht verkleidete Menschen stehen mit Schildern, auf denen „Make love not war“ oder „Peace for Ukraine“ steht, mitten in der Menschenmenge der Feiernden. Eine Viertelmillion Demonstrant:innen sind in Köln. Damit ist es eine der größten Demonstrationen in der Geschichte NRWs.

Ob die Menschen aus wahrer Solidarität demonstriert haben oder nur einen Grund brauchten, um ihr Karnevalsfeiern zu legitimieren, sei dahingestellt. Fakt ist, Karneval ist zwar nach außen hin und vielleicht auch vom Gefühl her anders, auf der Zülpicher Straße will man davon allerdings nichts wissen.

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