Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

In eigener Sache: Aus Sternchen wird jetzt Doppelpunkt

Ab sofort genderen wir mit Doppelpunkt.

[Symbolbild: Erik Körner]

17.08.2020 08:55 - Erik Körner

In unseren Artikel wird es künftig eine Änderung geben: Statt mit dem Sternchen werden wir mit dem Doppelpunkt gendern. Das erlaubt uns, weiterhin nicht-binär zu schreiben und unsere Texte für Personen mit Sehbehinderungen zugänglicher zu machen.

Viele Menschen mit Sehbehinderungen sind auf Screenreader-Programme angewiesen, die ihnen Texte vorlesen. Allerdings haben diese Programme bisher eine Schwäche: Beim Gendern mit Sternchen lesen sie das Sonderzeichen mit. Zum Beispiel wird „Leser*innen“ dann zu  „Leser-Sternchen-Innen“. Beim Doppelpunkt hingegen setzt die Software stattdessen eine kurze Pause – ähnlich der verbalen Sprache. Damit auch unsere Leser:innen mit Sehbehinderungen künftig ohne Schwierigkeiten unsere Texte genießen können, haben wir uns entschieden: Wir gendern fortan mit Doppelpunkt.

Wir wissen aber: Dass sich das Sternchen vielerorts als Standard fürs Gendern etabliert hat, hat einen triftigen Grund. Seine in verschiedene Richtungen zeigenden Enden sollen die Diversität aller Geschlechter symbolisieren. Wir hatten die Sorge, eine Umstellung auf den Doppelpunkt könnte die Inklusivität unserer Artikel verringern. Schließlich ist die gendersensible Berichterstattung einer der Grundsätze der akduell.

Ein Kompromiss zwischen Inklusivität und Barrierefreiheit

Deswegen haben wir uns für eine Expertinnenmeinung an Prof. Dr. Ulrike Haß gewendet, ehemalige Dozentin der Linguistik an der UDE. Sie erklärt:

„Die Wahl von *, Unterstrich, Doppelpunkt oder großem Binnen-I ist etwas, das sich durch den Gebrauch der Sprachverwender:innen herausbildet und verändert. Es gibt keine irgendwie objektiven Gründe im Schriftzeichen selbst, warum das eine Zeichen ‚inklusiver‘ ist als das andere. Welche Bedeutung das *, der Gap, das Binnen-I, der Doppelpunkt haben sollen oder haben, entscheiden im Grunde auch die Sprachverwender:innen, also Sie und Ihre Leser und Leserinnen.” Uns ist vor allem wichtig, überhaupt mit Sonderzeichen zu gendern. Denn am einfachen Binnen-I hängt die Konnotation des Binären. Für uns ist der Doppelpunkt ist daher der beste Kompromiss zwischen Inklusivität und Barrierefreiheit.

Allerdings haben wir uns gegen ein Update unserer alten Artikel entschieden. Einerseits würde das für uns riesigen Aufwand bei der Menge an Texten bedeuten. Andererseits möchten wir damit auch daran erinnern, wie wir bisher gearbeitet haben beziehungsweise welche Option fürs Gendern wir bis jetzt für angemessen hielten. Der Einheitlichkeit von Online und Print zuliebe werden wir aber die Artikel anpassen, die wir bereits veröffentlicht haben und die in unserer kommenden Monatsausgabe abgedruckt werden. Mit dieser Änderung sind wir übrigens nicht alleine. Aus denselben Gründen gendert unter anderem der AStA der Ruhr-Universität Bochum seit Kurzem auch mit Doppelpunkt.

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