Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Dortmunder Neonazis demonstrieren gegen Israel

17.05.2018 20:54 - David Peters

Am 14.5. war es mal wieder soweit, in der Dortmunder Innenstadt hielt die übliche Gruppe Neonazis der Partei Die Rechte eine Kundgebung ab. Thema diesmal: der 70. Jahrestag der Gründung des israelischen Staates. Antisemitische Äußerungen waren also vorprogrammiert. 

Unter dem Motto „70 Jahre Israel: Wir feiern nicht!“ trafen sich am vergangenen Montag 45 Neonazis an den Dortmunder Katharinentreppen unweit des Hauptbahnhofes. Anwesend waren hauptsächlich Neonazis aus der Partei Die Rechte und ihrem Umfeld, viele trugen Solidaritäts-Shirts für die verurteilte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck.

Zu Beginn der Kundgebung verlas Ratsherr Michael Brück die üblichen verbotenen Parolen und Auflagen, während seine Kameraden mit einem Fronttransparent und Fahnen der palästinensischen Autonomiegebiete, aber auch den üblichen schwarz-weiß-roten Flaggen Aufstellung bezogen. Das Fronttransparent lies für die Redebeiträge schon Schlimmes erahnen. „Der Staat Israel ist unser Unglück“ stand darauf geschrieben, diese Parole könnte natürlich an „Die Juden sind unser Unglück“ von Heinrich von Treitschke oder die antisemitische Zeitung Der Stürmer erinnern. Michael Brück versuchte zwar zu verkünden, dass sich diese Kundgebung nicht gegen Juden, sondern lediglich den Staat Israel richten würde, das zu glauben fällt bei der anwesenden antisemitischen Prominenz allerdings schwer und wäre auch keine Besserung.

Bild 1-min.JPG
Das Fronttransparent der Dortmunder Neonazis

 

Um alle Erwartungen zu erfüllen, griff der Redner Sven Skoda auch gleich in die antisemitische Trickkiste: „Man könnte sagen, in 2000 Jahre Geschichte haben die Leute einfach nur schlechtes Marketing gemacht und deswegen findet die ganze Welt nicht ganz so viel Gefallen an den Leuten und deswegen braucht man dafür eine Schutzzone.“ Darauf folgte eine kurzen Infragestellung der Ereignisse vor über 70 Jahren. Was genau Skoda damit meinte ließ er offen. Klar war hingehen, was er vom Gegenprotest hielt. Diesen bezeichnete er als „verlogene Bastarde“. Die folgende Rede von Ratsherr Brück brachte kaum neue Erkenntnisse. Es war eine Rede mit Vokabeln, die man in antisemitischen Kreisen oft hört. „Freiluftgefängnis“, „Kindermörder“ und auch die Mär, dass nichts am israelischen Staat kritisiert werden dürfte griff er auf. Dies führte er aber nicht weiter aus, er habe sonst mit Anzeigen zu rechnen.

Tatsächlich fand diese offen antisemitische Kundgebung wenig Anklang bei der Dortmunder Bevölkerung, denn die meisten Menschen zogen einfach vorbei oder schüttelten ihre Köpfe. Nur einige pro-palästinensische Menschen, hörten der Kundgebung zu und nahmen sogar an ihr teil. Dies führte zu besonderer Erheiterung unter den anwesenden Neonazis. Die neuen Teilnehmer*innen leisteten sich noch ein kurzes Gespräch mit „SS-Siggi“ und posierten dann gemeinsam für Selfies. Hier wird wieder mal deutlich, dass man nicht leugnen darf, dass Antisemitismus immer noch ein gesamtgesellschaftliches Problem ist. Antisemitismus ist nämlich nicht nur offensichtlichen Neonazis vorbehalten.

Wo ist das zivilgesellschaftliche Engagement?

Der Gegenprotest fiel tatsächlich relativ gering aus, lediglich 70 Menschen wollten die erneute rechte Hetze in der Dortmunder Innenstadt nicht unwidersprochen lassen. Mit dabei waren antifaschistische Gruppierungen, sowie die Vertreter der Grünen Jugend. Hier fragt man sich natürlich, wo das vielbeschworene zivilgesellschaftliche Engagement z.B. der regierenden SPD oder der Gewerkschaften bleibt. Statt gemeinsam gegen Neonazis auf die Straße zu gehen, bemüht man sich regelmäßig um eine Distanzierung vom antifaschistischen Gegenprotest, so auch an diesem Tag. Der DGB wollte nach eigener Aussage eine Mahnwache durchführen und keine Demo für die Antifa.

Der Gegenprotest blieb ebenso wie die Kundgebung der Neonazis friedlich. Zweimal versuchten Gegendemonstrant*innen mit Transparenten und einer Israel-Fahne in die Nähe der Kundgebung zu gelangen. Beide Male wurden sie mehr oder weniger friedlich von den anwesenden Polizisten des Platzes verwiesen. Lediglich bei der Abreise kam es zu einem Zwischenfall, als ein Teilnehmer der Neonazi-Kundgebung versuchte ein Fahrrad auf die abreisenden Gegendemonstrant*innen zu werfen. Auch hier schritt die Polizei ein.

Bild Fahrrad-min.JPG
Der Versuch des Fahrradwurfs endete zum Glück glimpflich


 

Top of the Week 02. - 08. Mai 2022

Ihr wisst noch nicht, was ihr diese Woche unternehmen möchtet? Schaut in unsere Übersicht rein!
Von Nikita Marcus Verbitskiy in Kultur
 

Top of the Week 25. April - 01. Mai 2022

Ihr wisst noch nicht, was ihr diese Woche unternehmen möchtet? Schaut in unsere Übersicht rein!
Von Nikita Marcus Verbitskiy in Kultur
 

Red Hot Chili Peppers mit Unlimited Love – Ein gelungenes Comeback?

Wir reviewen das neue Album der Red Hot Chili Peppers. Nach 6 Jahren Pause und einem prominenten Line-Up-Wechsel gibt es hohe Erwartungen.
Von Selome Abdulaziz in Kultur
 
Konversation wird geladen