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Don’t forget to take your Meds

Können helfen durchzuhalten [Foto: Lena Janßen]
28.11.2020 14:48 - Lena Janßen

Als unsere Redakteurin die Diagnose Depression bekam, wurde ihr nicht nur eine Psychotherapie empfohlen, sie wurde auch auf Psychopharmaka eingestellt. Seitdem hat sie viele Diskussionen über Antidepressiva geführt und musste sich häufig für deren Einnahme rechtfertigen. 

Eine Kolumne von Lena Janßen

Ich erinnere mich noch gut an die Erleichterung, die ich verspürte, als der Psychiater mir zum ersten Mal Medikamente gegen meine Depressionen verschrieb. Ich wusste zwar, dass Antidepressiva in diesem Fall kein Wunderheilmittel sein würden und mir ein langer Therapieweg bevorstand, aber ich wusste auch, das sich mit den entsprechenden Medikamenten meine Symptome etwas legen würden. Ich bekam ein Antidepressivum gegen Angstzustände verschrieben, Tabletten, die mir beim Schlafen helfen sollten und einen Stimmungsstabilisator. Allein der Gedanke wieder eine Nacht durchschlafen bzw. überhaupt schlafen zu können gab mir ein leichtes Gefühl der Befreiung.

Recht schnell bemerkte ich, dass in meinem Umfeld häufig die Frage aufkam: „Musst du Medikamente nehmen?“ Immer gepaart mit der Annahme, dass man davon schnell abhängig werden könne und einem vorwurfsvollen Ton. Bei mir stieß das immer auf Unverständnis. Klar, bis ich auf die richtigen Medikamente eingestellt war, hat es eine Weile gedauert. Das erste Antidepressivum vertrug ich nicht und bekam einen leichten Ausschlag davon. Ich probierte ein anderes Medikament und dieses nehme ich, mit einer kurzen Auszeit, seit drei Jahren. Die Medikamente ermöglichen mir unter anderem mein alltägliches Leben leichter auf die Reihe zu bekommen: Ich komme morgens leichter aus dem Bett, habe weniger depressionsbedingte Stimmungsschwankungen und ich schlafe besser. Und nein, Psychopharmaka machen nicht abhängig. Sie erhöhen zwar zum Beispiel die Ausschüttung des Glückshormons Serotonin, aber nicht in einer Form des Rausches, wie bei Drogen.

Depression ist eine Krankheit, die zur heutigen Zeit zusätzlich zu Therapien gut mit Medikamenten behandelt werden kann. Menschen mit Bluthochdruck oder allen anderen möglichen Krankheiten nehmen ebenfalls jeden Tag Medikamente. Warum sollte ich es nicht tun? Auch psychisch Erkrankte haben das Recht darauf mit Tabletten ihre Symptome zu regulieren. Die Tabletten haben bei mir einen großen Teil zum Heilungsprozess beigetragen, dafür bin ich dankbar. Wenn sie euch helfen, dann lasst euch nichts einreden und tut, was für euch das Beste ist. 
 

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