Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

In der Kälte verheizt

Die Paketzusteller*innen trotzen Wind und Wetter. (Symbolbild: Kristina D.C. Hoeppner/flickr.com/CC BY 2.0)

16.12.2017 12:40 - Julia Segantini



Immer mehr Produkte werden online bestellt. Daher arbeiten Paketzusteller*innen unter stetig größerem Druck, vor allem kurz vor Weihnachten. Dass bei der Lieferung dann einiges schief gehen kann, dürfte allen Kund*innen durch eigene Erfahrungen bekannt sein. Aber woher rühren die Probleme und unter welchen Bedingungen arbeiten Beschäftigte bei der Post? Darüber, wie der Arbeitsalltag einer Paketzusteller*in aussieht, hat akduell mit Petra* gesprochen.

Eine Situation, die allen bekannt vorkommen dürfte: Sehnsüchtig wartet man auf sein Paket. Es kann gar nicht schnell genug ankommen, schließlich ist darin doch ein Geschenk und das darf auf keinen Fall zu spät ankommen. In der Versandmail heißt es zwar, das Paket werde heute ankommen, doch das schmerzlich ersehnte Klingeln an der Haustür bleibt aus. Da Pakete zum Teil nicht ordnungsgemäß ausgeliefert werden, zum Beispiel bei Nichtantreffen des Kunden einfach irgendwo abgestellt werden, hagelt es vielerorts Kritik.

Seit über 30 Jahren arbeitet Petra nun bei der Deutschen Post AG und sorgt dafür, dass die Post pünktlich ankommt. „Ich fahre an normalen Tagen in meinem kleinen Bezirk zwischen 70 und 80 Pakete aus“, berichtet sie. In der Weihnachtszeit sei das natürlich deutlich mehr, sagt sie. „Letzte Woche waren es 134 Pakete. Dazu kommt dann ja noch die normale Post.“ Pakete hätten dabei immer Priorität, das heißt, bei Dienstschluss um 17 Uhr führe sie ab zirka halb drei nur noch Pakete aus. Dabei bleibe dann natürlich auch manchmal etwas liegen.

Direkte Beschwerden an der Haustür bekomme sie selten, kennt aber Fälle, bei denen Leute sehr ungehalten auf fehlende Pakete reagierten. Sie selbst würde als erfahrene Zustellerin das Pensum in den Griff bekommen. „Wir haben aber viele neue Kollegen und die sind einfach überfordert“, erklärt Petra. „Man muss sofort alles lernen, wie man fährt, wie man packt, alles mögliche. Meiner Meinung nach ist das alles etwas viel. Die Einarbeitungszeit ist mit vier Wochen auch zu kurz. Unmöglich finde ich auch, dass einige in Bezirke gesteckt werden, die sie gar nicht kennen. Das passiert aber manchmal, weil der Krankheitsstand so hoch ist und einfach Not am Mann ist.“

Neue Beschäftigte würden zwar nur von erfahrenen Mitarbeitenden eingearbeitet werden, aber das Arbeitspensum lasse oft nicht die Zeit, etwas vernünftig zu erklären, bemängelt sie. Bei der Frage, ob sie sich ausgebeutet fühle, zögert sie kurz. „Auch wenn meine Arbeit anstrengend ist, liebe ich meinen Job“, sagt sie. Problematisch seien eher die Arbeitsbedingungen der neu angelernten Kräfte. „Mich schockt so schnell ja nichts mehr, weil ich das schon so lange mache. Aber alle, die jetzt bei uns anfangen oder Quereinsteiger*innen sind, werden total verheizt. Großartig kümmern tut sich da keiner. Wer sich da nicht durchbeißt und durchhält, der geht sang- und klanglos unter, vor allem im Moment“, berichtet sie.

Laut dem ver.di Gewerkschaftssekretär Sigurd Holler seien besonders die Bedingungen bei einigen Subunternehmern problematisch. Konkret nennt er das Beispiel eines Paketzustellenden, der für ein Subunternehmenvon Hermes arbeitet, Pakete zustellt – für gerade einmal 1.200 Euro netto. Seiner Einschätzung nach, komme der Beschäftigte auf über 50 Stunden pro Woche. „Bei einem Bruttoeinkommen von 1.700 Euro liegt er damit weit unter dem Mindestlohn“, erklärt er dem SWR.

Unverständnis hat Petra vor allem Last-Minute-Besteller*innen gegenüber. „Von mir aus können die ruhig weiter bestellen, das erhält ja auch meinen Arbeitsplatz. Die Menschen sind halt so, man muss nicht vor die Tür, alles wird einem bis nach Hause geliefert. Das wird nicht weniger werden, sondern eher mehr. Aber Weihnachten kommt ja jetzt auch nicht so plötzlich, man könnte ja früher anfangen zu bestellen“, schlägt sie vor.

*Name von der Redaktion geändert

 

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