Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Der, die, das Kanzler*in

Direkter Blick Merkels in die Kamera. (Foto: EPP, flickr.com, CC BY 2.0)

05.11.2018 10:42 - Maren Wenzel

18 Jahre CDU-Vorsitz unter Angela Merkel, davon war sie 13 Jahre lang Bundeskanzlerin. Während diese jetzt kontrolliert das Jacket an den Nagel hängt, entdecken Medien und Kommentator*innen angeblich wieder: Das war ja eine Frau! Das ist Quatsch. Merkel war immer eine Frau. Dieser Umstand war immer Thema, weil sie eben nicht der Norm entsprach.

Grünen-Politikerin Renate Künast konnte über Angela Merkel 2014 in der taz sagen, diese sei „seltsam geschlechtslos”. Ende 2015 beschrieb die Zeit sie paradoxerweise als „geschlechtslose Übermutter”. Und Schauspielerin Veronica Ferres sagte 2017 in einem Interview mit der Welt: „Das Geschlechtslose der Macht sei etwas Merkel-typisches, hört man ja immer wieder. Ungerechterweise.”

Solche Kommentare beziehen sich auch auf die Kleidung der bald Ex-Kanzlerin. Während sie ikonenhaft ein Gruppenbild nach dem nächsten in grellen Hosenanzügen sprengte, waren diese genau das: Hosenanzüge. Wich die Kanzlerin vom Dresscode ab, brach in Verlagshäusern fast die Hölle los. Etwa 2008, als man bei den Festspielen in Bayreuth den Ansatz eines Busens sehen konnte. Dass sich dieser Absatz mit der Kleiderwahl beschäftigen muss, ist Aussage genug. Das wäre einem Kanzler nicht passiert.

Wie die Kommentare ausgefallen wären, wäre Merkel Feministin gewesen, kann nur die Vorstellungskraft beantworten. Schließlich mied sie Frauenthemen. Aber nicht mal das schützte sie in ihren vier Amtsperioden vor dem Spitznamen „Mutti der Nation”. Denn Mutter, das ist quasi die gottgegebene weibliche Rolle. Selbst wenn man das höchste Amt im Staat bekleidet.

Frauenfeindlich wurde es auch. Zeit Online verglich Merkel und ihre Kolleginnen erst kürzlich wieder mit einer Krankheit, in dem das Portal Peter Altmaier zitierte, der die Kollegen um Merkel „minimalinvasive Männer” genannt hatte. Ein Begriff aus der Chirurgie, der die Auswirkungen von Operationstechniken beschreibt. Friedrich Merz sei dagegen laut Zeit Online: „maximalinvasiv”. Da gruselt es einer.

Nach all dem wird also gefragt, ob Deutschland bereit sei für einen männlichen Kanzler wie Spahn oder Merz statt Annegret Kramp-Karrenbauer? Nach Klamottendiskussionen, Geschlechterdebatte und Frauenfeindlichkeit? Übrigens: Das Bundeskanzleramt hieß auch von 2005 bis 2018 genau so. Kanzleramt. Dieses Land war immer dafür gebaut, Männer an die Spitze zu setzen.

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