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Dein schönstes Accessoire ist Schlamm

Styling auf Festivals? Auf der Prioritätenliste weit hinten. [Foto: Anna Riemen]

​​​​​​​27.05.2019 14:34 - Anna Riemen

Um diese Jahreszeit ist die Welt der Werbung und der YouTube-Tutorials gespickt von Festival-themed Make Up, Festival-Haarstyles und Festival-Modelinien. Alles Quatsch, findet unsere festivalerprobte Redakteurin Anna Riemen.

Alle Jahre wieder, wenn die Sonne beginnt, einem sanft den Nacken zu kitzeln und das Herz sich danach sehnt, bei Grillgut und Bier unter einem wolkenlosen Himmel guter Musik zu lauschen, packt alle Welt ihre Campingausrüstung zusammen und startet einen Kurztrip auf ein Festival. Dann, genau dann, sprießen sie aus dem Boden wie Unkraut: Die Festival- Haare- und Make-Up-Tipps auf Youtube. Und auch die Werbung für Festivalklamottenkollektionen ist nicht weit. Dabei gilt aber von jeher: Form over Function. Wie gut ich mal eine Werbung für so ein richtig geiles Paar Gummistiefel fände. Aber nein. Stattdessen sehe ich auf gefühlt jedem Werbebild Mädchen in schlappigen Sandalen, mit flatternden Röckchen und vier Schichten Glitzermakeup, behangen mit zwei Kilo Accessoires und als Kirsche auf dem Klischee-Sahneberg eine sanft gelockte Flechtfrisur, gekrönt von einem filigranen Blumenkranz.

Funktionale Klamotten sind, was vor Hitzschlag oder Lungenentzün-dung rettet. 

Realitätscheck: Eine Prognose

Klar, das sieht hübsch aus und wenn man vorhat, auf einem Festival, das nur einen Nachmittag lang geht, in einer VIP-Lounge Cocktails zu schlürfen, ist dieses Outfit sicher eine gute Wahl. Begibt man sich jedoch auf eine mehrtägige Veranstaltung, ganz gleich welchen Musikgenres, wo gecampt wird und wo man den einen oder anderen Auftritt nicht hinter, sondern im Publikum verbringen möchte, sieht die Sache anders aus.

Auf einem Festival gibt es drei Arten von Wetter: Entweder, man wird gebraten, friert sich den Hintern ab oder wird zugestürmt und eingeregnet. Meistens alles davon im zwanzigminütigen Wechsel. Funktionale Klamotten sind hier das, was vor Hitzschlag oder Lungenentzündung rettet. Wer nicht einen fünfzig Kilo-Rucksack von seinem Auto bis auf den Zeltplatz schleppen will, sortiert die hübschen, aber nutzlosen Sachen besser aus. Auch Raum zum hübsch machen fehlt gänzlich: Toiletten und Duschen sind sehr provisorisch. Haarewaschen geschieht meistens unter einem Eimer. Es gibt, wenn überhaupt, nur wenige Steckdosen. Vier Schichten Glitzer-Makeup und geflochtene Haare? Viel Spaß.

Wer offene Schuhe trägt, noch dazu welche, die hinten offen sind, hat ganz schlechte Karten für die ungeschützten Zehen, auf die alle fünf Minuten jemand tritt. Wenn die Schuhe nicht bereits auf Nimmerwiedersehen abhanden gekommen sind. In einer drückenden Masse rutscht der Flatterrock bis zum Schulterblatt nach oben, fast alle Accessoires stören: was lose hängt, geht verloren, was fest sitzt, ist entweder im Weg oder führt im schlimmsten Fall zu Verletzungen.

Die ungeschminkte Wahrheit ist: Am Ende jedes mehrtägigen Festivals haben sich die Besucher*innen in wandelnde Matsch- und Staubberge mit Sonnenbrille verwandelt, sind von der Sonne verbrannt und von Bier verklebt, selbst die, die es einmal pro Tag unter die Dusche geschafft haben. Und das ist okay, weil alle so aussehen. 
 

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