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GESELLSCHAFT

Chaostage auf Schalke

Schalke-Fans protestieren im Juni gegen die Vereinsführung.
06.07.2020 12:17 - David Peters

Pleiten, Pech und Pannen – so könnte man die Bundesligasaison 2019/20 beim Revierclub FC Schalke 04 zusammenfassen. Sportlich lief es nicht gut, mit den Fans auch nicht und auf dem Konto sind fast 200 Millionen Euro Schulden.

Eine desaströse Rückrunde, Ärger bei der Rückerstattung von Ticketpreisen, Diskussionen um die Pleite und Skandal-Chef Clemens Tönnies – für Schalke-Fans war es eine Saison zum Vergessen. Dabei waren die Schalker sportlich gut gestartet: Zum Ende der Hinrunde lag man auf dem 5. Tabellenplatz und nur wenige Punkte hinter der Konkurrenz. Am ersten Spieltag der Rückrunde gab es sogar einen 2:0-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach. Was danach folgte, war ein Leistungseinbruch aus dem Lehrbuch. 16 Bundesligaspieltage am Stück konnte der FC Schalke 04 nicht gewinnen und aus dem 5. wurde der 12. Tabellenplatz. Neun Punkte hatte man in der Rückrunde geholt – nur Absteiger Paderborn hatte noch weniger.
Neben dem sportlichen Misserfolg fiel Schalke auch abseits des Platzes negativ auf. Im August 2019 präsentierte Schalkes Aufsichtsratschef und Schweinebaron Clemens Tönnies seine Sicht auf den Klimawandel und äußerte sich gegenüber Menschen aus Afrika rassistisch.

Fans forderten den Rücktritt von Tönnies.

Fans forderten den Rücktritt von Tönnies, der Ehrenrat des Vereins legte eine versöhnlichere Gangart an den Tag: Tönnies musste sein Amt drei Monate ruhen lassen, danach wurde wieder zum Tagesgeschäft übergegangen und die rassistischen Äußerungen vergessen. Auf wenig Begeisterung stieß dies bei den Gelsenkirchener Ultras, sie hielten die Entscheidung des Ehrenrates für inakzeptabel. „Die jahrelange Antirassismusarbeit auf Schalke wird durch diese Entscheidung nicht nur mit Füßen getreten. Dieser Beschluss schädigt das Image unseres Vereins nachhaltig“, erklärten sie auf ihrer Website.

Mit Corona ins Fettnäpfchen

Fußball lebt, neben den Fans, auch vom Geld, das mussten viele Vereine während der Coronakrise feststellen. Corona bedingt mussten die Fußballspiele ohne Zuschauer*innen stattfinden. Durch die Geisterspiele verlieren die Teams nicht nur die wertvolle Stimmung der Fans, sondern auch die Einnahmen durch den Ticketverkauf. Unter dem Hashtag #NurimWir versuchte Schalke seine Fans dazu zu bewegen, auf eine Rückerstattung zu verzichten. Eine Erstattung des Geldes in Form eines Gutscheins stellte sich als zweischneidiges Schwert heraus. Der Gutschein sollte erst ab 2022 auszahlbar sein: „Wenn dies aufgrund Deiner persönlichen Lebensumstände unzumutbar ist, kannst Du eine Auszahlung natürlich auch vorher verlangen. Damit der FC Schalke 04 in seiner Vereinsfamilie einheitlich und fair mit den Härtefallanträgen vorgehen kann, benötigen wir genaue Informationen von Dir.“ 

Wer dennoch eine Rückerstattung wollte, musste gegenüber „seinem“ Verein in einer Art Härtefallantrag begründen, warum er auf das Geld angewiesen sei und sollte das sogar noch mit Belegen versehen. Daraufhin sah sich der Club einem massiven Shitstorm ausgesetzt. „Die Nummer ist an Peinlichkeit und arroganter Blödheit nicht zu überbieten“ oder „Das geht gar nicht! Gerade bei den Werten, für die der Verein (angeblich) einsteht“, hieß es auf Twitter. Der Verein ruderte zurück und versprach: „Jeder Antrag von Fans, die aus wirtschaftlichen Gründen auf eine sofortige Rückerstattung des Ticketpreises angewiesen sind, wohlwollend bearbeitet wird.“ Auch die Entlassung von mehr als 20 langjährigen Busfahrern wenig später sorgte für Unmut bei den Fans.

Finanzieller Absteiger

Neben dem sportlichen Misserfolg und dem Streit mit den Fans sorgt auch die finanzielle Situation des Revierclubs für miese Stimmung. Fast 200 Millionen Euro an Schulden haben die Gelsenkirchener angehäuft. Jetzt will die nordrhein-westfälische Landesregierung aushelfen – mit einer Landesbürgschaft von 40 Millionen Euro. Schalke muss endlich sparen und verordnet eine Gehaltsobergrenze von 2,5 Millionen Euro pro Spieler.
Aufsichtsratschef Tönnies steht nicht nur aufgrund seiner Äußerungen und der Führung des Vereins in der Kritik. Auch sein Unternehmen sorgt für Negativschlagzeilen: Einer von Tönnies Schlachtbetrieben in Rheda-Wiedenbrück ist zu einem der größten Corona-Hotspots in Europa geworden, zudem wurden schlechte Arbeitsbedingungen und menschenunwürdige Unterbringung der Mitarbeitenden bekannt. Daraufhin protestierten erneut Fans gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden. Diesmal geht er wirklich und hinterlässt dem Verein einen Schuldenberg und ein zerrüttetes Verhältnis zu den Fans. Was der Rassismus-Skandal nicht schaffte, erledigt nun Corona.
 

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