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GESELLSCHAFT

Black History Month

Schwarze Geschichte und eine vielfältige Gesellschaft müssen sichtbar gemacht werden. [Foto: pixabay]

22.02.2022 15:00 - Saskia Ziemacki

Im Februar wird in einigen Ländern der Welt der Black History Month gefeiert. Seit den Neunzigerjahren auch in Deutschland. Seinen Ursprung hat er in den USA, um die gewaltvolle Realität Schwarzer Menschen aufzuzeigen. Heute ist er auch eine Kritik an der weißen und eurozentrischen Geschichtsschreibung. Wir geben einen Einblick in die Hintergründe und zeigen, wie man sich auch von zu Hause aus weiterbilden kann.
 
Wir schreiben das Jahr 1926. Der Historiker Carter G. Woodson organisiert eine Woche in den USA, in der die Errungenschaften von Afroamerkaner:innen in den Mittelpunkt gestellt werden. Er wählt bewusst den Februar aus, da er mit den Geburtstagen des ehemaligen US-Präsidenten Abraham Lincoln und denen der Bürgerrechtler und Schriftsteller Frederick Douglass und Langston Hughes zusammenfällt. Sie sind Schlüsselfiguren der afroamerikanischen Geschichte und spielen eine wichtige Rolle bei der Abschaffung der Sklaverei. Woodson wird häufig als „Vater der Schwarzen Geschichte“ bezeichnet, da er als einer der ersten das Studium der Afroamerikanischen Geschichte zur Fachdisziplin der Geschichtswissenschaft macht. 

 

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Cartoon über Carter G. Woodson von Charles Alston, 1943 [Foto: Wikimedia Commons]

 
1976 wird die Wochenfeier auf den ganzen Februar ausgeweitet. In den Achtziger und Neunziger Jahren findet der Black History Month Einzug in Kanada, Großbritannien und Deutschland und wird seitdem jedes Jahr gefeiert. 1985 gründet sich die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) und setzt sich für das Empowerment Schwarzer Menschen in Deutschland ein. Gerade im Februar finden viele Veranstaltungen statt, in denen das Wirken Schwarzer Menschen hierzulande sichtbar gemacht und öffentlich gefeiert wird. Diese Sichtbarkeit ist wichtig, da selbst nach so vielen Jahren Black History Month deutsche Geschichtsbücher gleich aussehen: Schwarze Geschichte existiert so gut wie gar nicht.
 

Bildungsarbeit ist ein wichtiger Teil des Black History Month, denn es ist wichtig zu lernen, dass das vermeintlich „Andere“ und „Fremde“ nur konstruierte Begriffe sind. Die deutsche Kolonialgeschichte muss reflektiert werden, vor allem in Bezug auf den Schaden, den Deutschland auf dem afrikanischen Kontinent hinterlassen hat. Der Name Black History Month suggeriert zwar, dass Erfahrungen von Rassismus und Marginalisierung zur Geschichte gehören, doch sie sind immer noch Teil der Gegenwart. Veranstaltungen wie Kunstausstellungen, Filmvorführungen und Lesungen sollen die Vielfältigkeit unserer Gesellschaft ins Bewusstsein rücken.  

Tipps für eine kulturelle Bildung von Zuhause aus

Moni­lola Olay­emi Ilupeju ist eine nige­ria­nisch-ameri­ka­ni­sche Künst­le­rin und Auto­rin, die in Berlin lebt. Mit ihrer künstlerischen Arbeit will sie dem Publikum vermitteln, dass verschie­dene Kontroll­sys­teme (weiße Vorherr­schaft, Hete­ro­nor­ma­ti­vi­tät, Miso­gy­nie und Ableis­mus, um nur einige zu nennen) die Reali­tät in einem solchen Ausmaß perver­tiert und verzerrt haben, dass gar nicht mehr hinter­fra­gt wird, was Fakt und was Fiktion ist, sagt sie in einem Interview mit dem Schirn Magazin. Die Ausstellung „Hands full of Air” in der Galerie im Turm in Berlin soll genau das hinterfragen. 3D Online Tour 

Viel zu lange seien die Beiträge Schwar­zer Menschen herun­ter­ge­spielt oder ganz ausge­löscht worden, um die weiße Hege­mo­nie aufrecht­zu­er­hal­ten, so Ilupeju. „Der Black History Month erin­nert uns daran, wie wich­tig es ist, Geschich­ten in den Mittel­punkt zu stel­len, die uns zeigen, dass Verän­de­run­gen möglich sind und dass die Hoff­nung nicht verlo­ren ist, während wir weiter­hin diese verges­se­nen oder verdräng­ten Weis­hei­ten ausgra­ben und Netz­werke zur Unter­stüt­zung aufbauen”, erzählt sie dem Schirn Magazin. Er gebe uns die Möglich­keit, darüber nach­zu­den­ken, wie weit wir gekom­men sind, aber auch, wie viel wir noch vor uns haben, so die Künstlerin.  

 
Raoul Peck ist Filmregisseur und Drehbuchautor sowie ehemaliger haitianischer Kulturminister. Bekannt ist er durch seine Doku „I Am Not Your Negro“ über den strukturellen Rassismus in den Vereinigten Staaten, die für einen Oscar nominiert wurde. Seine neue Dokureihe „Rottet die Bestien aus!" zeigt die Geschichte eines globalen Rassismus über 600 Jahre hinweg und kann in der Mediathek des Kultursenders Arte geschaut werden.

„In dieser Geschichte fassen drei Wörter die gesamte Geschichte der Menschheit zusammen: Zivilisation, Kolonisation, Vernichtung“, sagt Peck zu Beginn der Saga. „Die Geschichte ist nicht einfach zu erzählen, weil sie heute noch andauert“, heißt es weiter. Genau deshalb ist es so wichtig, sich immer wieder damit auseinanderzusetzen – auch über den Februar hinaus.

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