Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Bitte nicht anfassen

 Frauen* nach der Familienplanung zu fragen, ist problematisch.

[Foto: Lena Janßen]

20.07.2020 14:43 - Lena Janßen

Unsere Redakteurin war vor kurzem im Supermarkt und hat dort eine Situation erlebt, die sie noch lange beschäftigt hat: eine ihr unbekannte Frau hielt sie für schwanger. Warum sie über diese Begegnung noch lange nachgedacht hat und warum Fragen nach der Familienplanung problematisch sind, lest ihr hier.

Eine Kolumne von Lena Janßen

Als ich zuletzt im beim Einkaufen vor dem Tiefkühlregal stand, kam eine ältere Frau auf mich zu. Kurz beobachtete sie mich und fragte dann: „Darf ich einmal ihren Bauch anfassen? Sie sind doch schwanger, oder?“ Ich habe in meinem Leben schon einige kuriose Erfahrungen mit mir fremden Menschen gemacht, doch diesmal war ich vollkommen perplex.

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Ich schaute an mir herunter. Ich war normal gekleidet: Jeans, Bluse und eine Jacke darüber. Vor meinem Bauch trug ich zusätzlich den Einkaufskorb. Gerne hätte ich ihr eine schlagfertige Antwort entgegen gebracht, doch ich schaute die Frau nur verdutzt an und bekam keinen Ton heraus. Als sie einen Schritt auf mich zu machte und langsam ihre Hand in Richtung meines Bauches ausstreckte, trat ich jedoch einen Schritt zurück, murmelte ein „Nein“ und ergriff die Flucht. 

Meinen Einkauf hatte ich bis dahin gar nicht beendet, in meinem Einkaufskorb fehlten noch Dinge von meiner Liste, doch komplett durcheinander von dieser Begegnung steuerte ich zielsicher die Kasse an, um den Laden schnellstmöglich verlassen zu können. Zu Hause angekommen holte ich einmal tief Luft. Mein erster Weg führte mich zum Spiegel: Sah ich schwanger aus? Schnell kam ich zu dem Entschluss, dass es mir gar nicht darum ging, ob mein Körper schwanger aussah oder nicht. Die Problematik war für mich eine ganz andere.

„Wann ist es denn bei dir endlich soweit?“

Egal ob ich schwanger gewesen wäre oder nicht: Eine fremde Frau zu fragen, ob man ihren Bauch anfassen könne, ist absolut unverschämt und eine Grenzüberschreitung. Warum sollte ich mich von einer mir unbekannten Frau am Bauch berühren lassen? Das Verhalten dieser Frau ist jedoch vor allem auf einer anderen Ebene noch viel problematischer. Ob eine Frau* es möchte oder nicht: Es kommt der Tag, an dem wird Mutterschaft für sie zu einem Thema. Meistens dann, wenn die ersten Bekannten, Verwandten oder Familienmitglieder fragen: „Wann ist es denn bei dir endlich soweit?“ oder „Hörst du denn deine biologische Uhr noch gar nicht ticken?“. 

Was an solchen Fragen nicht in Ordnung ist? Schwangerschaft beziehungsweise Mutterschaft ist ein sehr persönliches, intimes Thema. Es gibt Frauen*, die möchten keine Kinder haben und werden, aufgrund des Patriarchats, dafür verurteilt. Andere Frauen* wiederum würden gerne Kinder bekommen, können es aber nicht, versuchen es seit Jahren erfolglos oder haben bereits einige Fehlgeburten erlitten. Auch gibt es Frauen*, die nicht immer wieder auf ihr Reproduktionsorgan reduziert werden möchten. Solche Fragen nach der Kinderplanung oder Begegnungen wie meine im Supermarkt, können Frauen* auf schlimme Weise triggern und sind verletzend. Sie greifen in einen Raum ein, in den niemand anders Zutritt haben sollte, als eine Frau* selbst. Wenn eine Frau* von ihrer Schwangerschaft oder der vermeintlichen Familienplanung erzählen möchte, dann wird sie das tun. Bis dahin gehen andere Menschen die Geschehnisse im Uterus einer Frau* nichts an. 

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