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GESELLSCHAFT

Aussagen von Bahlsen-Erbin zur NS-Zwangsarbeit sorgen für Empörung

Wie sehr profitierte das Keks-Imperium Bahlsen von Zwangsarbeitern während des Nationalsozialismus? Vorzeige-Kapitalistin Verena Bahlsen gerät in erklärungsnot.[Symbolbild: Pixabay]
20.05.2019 13:37 - Lena Janßen

Die junge Geschäftsfrau und Miterbin des Keks-Imperiums Bahlsen, Verena Bahlsen, setzte sich mit ihren Aussagen über die NS-Zwangsarbeiter*innen einer Vielzahl von Kritik aus und stieß eine generelle Debatte über Zwangsarbeit während und nach dem zweiten Weltkrieg an. Doch was genau war Ausgangspunkt der Diskussionen?

Auf der Digitalkonferenz Online Marketing Rockstars (OMR) hielt Verena Bahlsen eine Rede, in der sie über Nachhaltigkeit sprach und sich als Kapitalistin bezeichnete: „Mir gehört ein Viertel von Bahlsen, das ist toll. Ich will mir 'ne Segel-Yacht kaufen und solche Sachen.“ Außerdem erklärte sie, früher wollte sie „unbedingt rebellieren und kreative Schriftstellerin werden“. Doch dann hätte sie bemerkt, „was die Wirtschaft für ein Hammer-Vehikel ist.“ Kurz nach diesem Auftritt erntete Bahlsen bereits einige Kritik auf Twitter. Dort verwiesen User*innen darauf, dass das Imperium Bahlsen seinen Erfolg vor allem dem Einsatz von Zwangsarbeiter*innen zu verdanken habe, die für ihre Arbeit nicht ausreichend entlohnt worden waren.

Auf diese Kritik angesprochen reagierte Verena Bahlsen in einem Interview folgendermaßen: „Das war vor meiner Zeit und wir haben die Zwangsarbeiter genauso bezahlt wie die Deutschen und sie gut behandelt“. Gerade an dieser Aussage übte der US-Wissenschaftler und Holocaust-Überlebende Guy Stern immense Kritik: „Von der hohen Warte einer Erbin kann man vielleicht so sprechen“. Stern erklärte weiter, dass Zwangsarbeit nicht bedeuten müsse, das die Arbeiter*innen wie Sklaven behandelt wurden, sondern, dass ihnen ein Zwang auferlegt wurde, der psychische Erniedrigung darstellte. Er plädierte außerdem für eine verstärkte Aufarbeitung von Zwangsarbeit in deutschen Unternehmen.

Nach der Jahrtausendwende gründete sich die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, die bis 2007 ehemalige Zwangsarbeiter*innen auszahlte, nachdem einige von ihnen Klage erhoben hatten und die Wirtschaft erhebliche Ansprüche befürchtete. Das Unternehmen Bahlsen zählte im Zweiten Weltkrieg zu einem der wichtigsten Betriebe zur Produktion von Soldatenverpflegung. Dort wurden vor allem Frauen beschäftigt, die aus den besetzten Ländern Polen oder der Ukraine kamen.

Geschichte soll aufgearbeitet werden

Kurz nach der OMR entschuldigte sich die Jungunternehmerin in einem persönlich verfassten Statement für ihre Aussagen. Diese seien ein „Fehler“ gewesen: „Das tut mir Leid. Nichts liegt mir ferner, als den Nationalsozialismus und seine Folgen zu verharmlosen.“ Weiterhin beteuerte sie: „Ich habe auch erkannt, dass ich mich intensiver mit der Historie des Unternehmens, dessen Namen ich trage, beschäftigen muss. Als Nachfolgegeneration haben wir Verantwortung für unsere Geschichte.“ Folglich sollen Konsequenzen aus den aktuellen Debatten gezogen werden. Der Umgang mit den Zwangsarbeiter*innen und ihre Rolle im Unternehmen Bahlsen sollen nun wissenschaftlich aufgearbeitet werden, so lautet es in einer offiziellen Erklärung des Keksherstellers. Ein Historiker und ein speziell zusammengestelltes Team von Experten sollen die Geschichte der Firma näher beleuchten und untersuchen.
 

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