Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Studiwerk Bonn trennt sich von True Fruits

Das sieht man in der Bonner Mensa jetzt nicht mehr.

[Symbolbild: Sophie Schädel]

30.10.2019 12:19 - Sophie Schädel

Das Bonner Studierendenwerk verkauft keine Getränke von True Fruits mehr. Wegen rassistischer und sexistischer Werbekampagnen des Bonner Unternehmens habe man seit Anfang September die letzten Restbestände verkauft und das Produkt nun aus dem Regal genommen, gibt das Studierendenwerk bekannt.

Intern hatte das Studierendenwerk schon seit Anfang des Jahres diskutiert, das Produkt aus dem Sortiment zu nehmen, vermeldet es nun. Die Werbung für das neueste True Fruits-Produkt Sun Creamie gab schließlich den Ausschlag zur Entscheidung, die Getränke aus dem Sortiment zu nehmen.

„Bereits im Juni des Jahres hatte das Studierendenwerk betont, die Marketingkampagnen und das Kommunikationsverhalten von True Fruits, insbesondere in den Sozialen Medien, aufmerksam zu beobachten. Die aktuelle Werbung von True Fruits für das Produkt Sun Creamie hat abermals irritiert. Sowohl Bild als auch Text sind in ihrer Botschaft sexualisiert und herabwürdigend“, heißt es in einer Mitteilung.

Den Smoothie Sun Creamie bewirbt das Unternehmen mit einem ejakulierenden Penis aus Sonnencreme auf der Schulter einer Frau und eines Mannes sowie dem Slogan „Sommer, wann feierst Du endlich dein Cumback?“. Als dem Unternehmen dafür auf Social Media Sexismus und das Triggern von Traumata vorgeworfen wurde, antwortete der offizielle Account von True Fruits: „Hast du ein Penis-Trauma?“

Im August rügte der Deutsche Werberat diese Kampagne offiziell: „Die provokativen Darstellungen überschritten nicht nur die Grenze des guten Geschmacks, sondern auch zum Vulgarismus. Sowohl das weibliche als auch das männliche Model würden in herabwürdigender Art und Weise als Gegenstand sexueller Fantasien und Praktiken dargestellt“, so die Rüge. Das Studierendenwerk Bonn begrüßte die Rüge des Werberats ausdrücklich.

2017 ließ sich True Fruits zu einer rassistischen Kampagne hinreißen.

Außerdem kritisiert das Studierendenwerk den Umgang des Unternehmens mit Kritiker*innen: „Jegliche Kritiker als ‚dumme Menschen‘, ‚Pissnelken‘, ‚Radikalapostel‘ oder ‚Hysteriker‘ zu bezeichnen, zeugt von wenig Reife der dortigen Geschäftsführung.“ Das sei völlig unangemessen und diffamiere Kritik pauschal, „ohne jegliche Art von konstruktivem Entgegenkommen“.

Es ist nicht das erste Mal, dass True Fruits für diskriminierende Werbung kritisiert wird. 2016 verbot die Stadt München drei von vier Plakatmotiven, die ebenfalls sexualisiert für Smoothies werben sollten. 2017, als Geflüchtete das politische Streitthema Nummer eins waren, ließ sich True Fruits zu einer rassistischen Kampagne hinreißen. Mit dem Slogan „Schafft es selten über die Grenze“ bewarb das Unternehmen seinen ersten weißen Smoothie in einer schwarzen Flasche, mit „Noch mehr Flaschen aus dem Ausland“ die restlichen Getränke der Reihe. Den schwarzen Smoothie nahm True Fruits kurz darauf wegen Rassismusanschuldigungen aus dem Sortiment.

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