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GESELLSCHAFT

Aus für den Kampf der Nibelungen

Für Mitorganisator Alexander Deptolla (hier bei einer Demonstration im Mai 2020) und den Kampf der Nibelungen läuft es nicht rund.
[Foto: David Peters]
29.10.2020 11:55 - David Peters

Im Ring gehen die Lichter aus. Mitte des Monats gaben die Organisator:innen des Neonazikampfsportevents Kampf der Nibelungen bekannt, dass ihr Event vorerst Geschichte sei. Laut Hooligan-Experten Robert Claus ein harter Schlag für die Szene.

Eigentlich könnte die Geschichte des Kampfs der Nibelungen eine Erfolgsgeschichte sein. Das Event hatte es von einer kleinen geheimen Veranstaltung zum größten Neonazikampfsportevent in Westeuropa geschafft. 2018 schauten sich an die 1.000 Zuschauende die Kämpfe von Gleichgesinnten an. „Dass Neonazis kämpfen, ist nicht neu. Die extrem rechte Ideologie ist zutiefst gewaltvoll, gewaltverherrlichend und gewaltfördernd“, erklärt Robert Claus. Er beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit Hooligans, Kampfsport und der extremen Rechten. Der Kampf der Nibelungen ist für ihn auch ein Versuch von Neonazis, am gesellschaftlichen Kampfsport- und Fitness-Boom teilzuhaben. Dazu wurden eigene Gyms und Kampfsportturniere ins Leben gerufen. „Der Kampf der Nibelungen war das Flaggschiff des Kampfsports in der militanten Neonaziszene“, berichtet Claus.

Der Untergang des Flaggschiffes folgte Mitte Oktober 2020. In sozialen Netzwerken gaben die Organisator:innen bekannt, dass man sich vorerst zurückziehen und auf den Ausbau der eigenen Bekleidungsmarke konzentrieren möchte. Eine Entwicklung, die sich abzeichnete. 2019 gab es den ersten großen Rückschlag. Tickets waren schon verkauft, Bänke, Zelte und Stände schon aufgebaut, als Sicherheitsbehörden das Event kurzfristig verboten. Auch aus finanzieller Sicht ein Reinfall, so Claus: „Der finanzielle Schaden wird sich in einem höheren fünfstelligen Betrag bewegt haben.“ Die Veranstaltung habe keinen sportlichen Charakter, sondern diene der Vorbereitung eines politischen Kampfes. Deshalb sei von einer Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung auszugehen, begründeten die Behörden das Verbot.

Nicht unpolitisch, sondern klar neonazistisch

Auch wenn sich rechte Kampfsportler:innen nicht immer offen als neonazistisch präsentieren, ist für Robert Claus die politische Ausrichtung klar: „Von normalen Kampfsportlern [als Teilnehmer der Kämpfe] würde ich beim Kampf der Nibelungen nicht reden. Auch das Publikum und die Organisatoren sind Neonazis.“ Zu den Organisator:innen gehört auch der Dortmunder Neonazi Alexander Deptolla, der öffentlich als Gesicht der Veranstaltung auftritt. Deptolla, der sich bei der Kommunalwahl erfolglos um einen Sitz in der Bezirksvertretung Innenstadt-West bemühte, habe auch abseits des Kampfs der Nibelungen eine lange Geschichte in der Neonaziszene, erklärt Claus. Die Organisator:innen des Events würden versuchen, den Kampfsport in der Szene mit Rechtsrock zu verbinden, um eine Eventkultur aus gewalttätiger Männlichkeit und rassistischem Hass zu schaffen, so der Experte. Die Veranstaltung habe aber noch eine weitere wichtige Bedeutung: „Damit finanzieren, vernetzen und rekrutieren sie die Szene.“

Aufgrund der Klage gegen die Verbotsverfügung aus 2019, aber auch der Coronapandemie sollte das Neonazievent 2020 als Stream übertragen werden. Erneut machten die Behörden den Organisator:innen einen Strich durch die Rechnung. Ende September löste die Polizei eine Kampfsportveranstaltung auf. Hier sollten die Kämpfe für den Stream aufgezeichnet werden – was offensichtlich nur teilweise gelang. Lediglich fünf der im Stream gezeigten Kämpfe waren neu, der Rest Aufzeichnungen aus den letzten Jahren, berichtet Robert Claus. Zudem startete der Stream mit Verspätung und präsentierte sich laut der Rechercheplattform Exif eher „unprofessionell“.

Das Vorgehen der Behörden gegen den Kampf der Nibelungen hat auch eine große Bedeutung für weitere rechte Kampfsportevents: Die Verbotsverfügung gegen den Kampf der Nibelungen 2019 habe nahegelegt, dass auch andere gleichgesinnte Events davon betroffen sein könnten, so Claus. „Ich glaube, dass wir reine NS-Kampfsportevents in näherer Zukunft in Deutschland nicht sehen werden. Das ist ein harter Schlag für die Szene.“ Völlige Entwarnung will er aber nicht geben: „Neonazis werden weiterhin Kampfsport betreiben und die Netzwerke und Organisatoren verschwinden auch nicht einfach.“

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