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GESELLSCHAFT

Aminata Touré und die Macht der Vielfalt

Aladin El-Mafaalani hat mit Aminata Touré „eine Politikerin ganz neuen Typs” zu Gast. [Foto: Dennis Treu]

27.10.2021 08:34 - Ayssa Maiß

Im „Talk im DKH“ liest Aminata Touré aus ihrem neuen Buch „Wir können mehr sein – Die Macht der Vielfalt“. Die Vizepräsidentin des Landtags Schleswig-Holstein erzählt von ihren Wünschen an die Politik, Diskriminierungserfahrungen und berichtet über Pannen im Landtag.

Nach etwa eineinhalb Jahren findet der „Talk im DKH“ am 13. Oktober erstmals wieder live im Dortmunder Dietrich-Keuning-Haus (DKH) statt. Aladin El-Mafaalani, Autor und Moderator des Formats, sagt, dass er sich schwer tue, die beeindruckende Biografie seines Gasts kurz zu fassen. Tourés Eltern fliehen 1992 kurz vor ihrer Geburt aus Mali nach Deutschland. Dort wächst Touré in einer Flüchtlingsunterkunft in Neumünster auf. Die deutsche Staatsbürgerschaft erhält Touré erst, als sie zwölf ist. Während ihres Studiums der Politikwissenschaft und französischen Philologie wird sie Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin einer grünen Bundestagsabgeordneten. 2017 zieht Touré in den schleswig-holsteinischen Landtag ein und ist damit jüngste Abgeordnete im Bundesland. 2019 wird die damals 26-jährige jüngste und erste afrodeutsche Vizepräsidentin eines deutschen Landtages.

Den Besucher:innen des DKH erzählt Touré zu Beginn lachend von ihrer Aufregung, als sie zur Vizepräsidentin des schleswig-holsteinischen Landtags gewählt wurde. Schnell umzingelt von beglückwünschenden Abgeordneten vergaß sie, die Wahl anzunehmen. Sie berichtet aber, dass „es auch im Parlament okay ist, mal Fehler zu machen. Da lachen wir drüber.“ Auf die Frage, wie sie sich als jüngste Vizepräsidentin fühlt und ob sie ernst genommen wird, antwortet die 28-jährige schmunzelnd: „Erstmal musste ich mich daran gewöhnen, die Abgeordneten zurechtzuweisen – ich meine, die sind so alt wie meine Eltern – aber jetzt gefällt es mir ganz gut.”

Ein literarisches Multi-Talent

In ihrem Buch schreibt Touré über persönliche Erfahrungen mit Diskriminierung und wie diese sie bewegt haben, in die Politik zu gehen. Besonders hebt sie dabei die Migrationsgeschichte ihrer Eltern hervor und liest dazu einen ihrer lyrischen Texte: „Wir sind die nächsten Generationen voller Träume, die wahr werden können. Fühlen uns schuldig für die Träume unserer Eltern, die nicht wahr werden konnten [...]. In dem Moment, in dem sie dieses Land betreten, beerdigen unsere Eltern ihre Träume."

In ihrem Werk verbindet Touré persönliche sowie politische Herausforderungen und macht die Themen dadurch greifbarer für Menschen die selber nicht von Diskriminierung betroffen sind. Sie möchte vor allem Menschen, die sich gesellschaftliche Veränderungen wünschen, ermutigen ihren Weg in der Politik zu gehen. Sie selbst sei da „ganz stumpf herangegangen“, ohne die Strukturen genau zu kennen, jedoch mit einem starken Willen. Auf Instagram nimmt Touré ihre Follower:innen auch mit durch ihren Alltag als Abgeordnete. „Denn Politik passiert ja nicht nur, wenn Wahlen sind, das mache ich das ganze Jahr.“

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