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GESELLSCHAFT

Alles für die Tonne

Ein gefüllter Mülleimer. Aber wie viel musste wirklich weg? [Foto: Magdalena Kensy]
17.04.2021 10:46 - Magdalena Kensy

Jedes Jahr landen bei Verbraucher:innen mehr Lebensmittel in der Mülltonne. In Deutschland sind das in etwa 12 Millionen Tonnen, die ihren Weg in den Abfall finden. Warum die Lebensmittelverschwendung ein Problem für das Klima ist und warum Verbraucher:innen nicht die Alleinverschulder sind, erfahrt ihr hier. 

Nach ein paar Tagen die Milch in den Abfluss gießen, weil die Packung aufgebläht ist. Der Käse mit den zwei Flecken am Rand sieht aus, als hätte er Schimmelsporen und landet  in der Mülltonne. Zusammen mit dem welken Salat, der nicht mehr frisch aussieht. Pro Kopf werfen Verbraucher:innen etwa 75 Kilogramm Lebensmittel im Jahr in den Müll. Zwei Drittel davon, also 50 kg, sind vermeidbarer Lebensmittelabfall. Umgerechnet beläuft sich das auf einen Warenwert von circa 20 Milliarden Euro im Jahr. Der Haushaltsmüll ist jedoch nur das Ende der Wertschöpfungskette. Bevor die Lebensmittel in den Supermarkt gelangen, entstehen bereits die ersten 60 Prozent des vermeidbaren Lebensmittelmülls. Die restlichen 40 Prozent folgen in den heimischen vier Wänden. Denn jedes achte Produkt wird im Haushalt entsorgt. 

Am Anfang steht die Landwirtschaft. Dort entstehen bei der Ernte oder Nachernte, also was auf dem Feld bleibt oder durch falsche Lagerung schlecht wird, die ersten Abfälle. Beim Transport an die Groß- und Einzelhändler:innen, sowie an Großverbraucher:innen wie der Gastronomie fallen weitere Lebensmittelabfälle an. Die Verbraucherzentrale verweist darauf, dass besonders im Bereich des Lebensmittelhandels die meisten Lebensmittel vernichtet werden. Grund dafür sind unter anderem die Qualitätsprüfungen, erklärt die Verbraucherzentrale: „Hier geht es um Mängel der Verpackung oder Kennzeichnung, Über- oder Untergewicht, falsche Nährwertangaben und Zutatenlisten oder falsche EAN-Codes. Obwohl diese Produkte ohne Einschränkungen verzehrt werden könnten, werden sie vernichtet und dürfen nicht als sogenannte Restanten verkauft werden.”

Ugly Food und Mindesthaltbarkeit 

Wer durch die Regale im Supermarkt schlendert wird nur selten ein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) entdecken, was in ein bis zwei Tagen abläuft. Häufig werden die Lebensmittel einige Tage vorher oder bis zu einer Woche vor „Ablauf” des MHD aus den Regalen hinein in den Müll aussortiert. Die Folge ist, dass den Verbraucher:innen ein Bild vermittelt wird, dass nach Ablauf des MHD das Produkt schlecht ist. Deshalb können bei einigen Menschen zu Hause die Produkte ebenfalls im Abfall landen. Das Datum stellt, wie der Name bereits sagt, das Mindestdatum dar und nicht das höchste Haltbarkeitsdatum. Die Kritik richtet sich beim Kampf gegen Lebensmittelverschwendung demnach auch an die Lebensmittelhändler. Sie bieten nur selten kurz vor Ablauf stehende Produkte zu einem reduzierten Preis an.

Damit der Handel seine Lebensmittelabfälle verringert, sollte das Denken der Verbraucher:innen geändert werden. Die Qualitätsanforderungen an Gemüse und Obst sollten geändert werden, damit „auch nichtnormgerechte Produkte (ugly foods), die zu groß, zu klein oder krumm und kleine optische Fehler haben, wieder im Handel angeboten werden. Damit kann verhindert werden, dass ugly foods schon nach der Ernte aussortiert werden”, fordert die Verbraucherzentrale. 

Gutes für das Klima tun 

Durch die hohe Verschwendung von noch gut erhaltenen Lebensmitteln wird das Klima weiteren Belastungen ausgesetzt. Mit jedem weggeworfenen Produkt ist ein hoher Verbrauch an Energie, Wasser und anderen Rohstoffen in der Kette vom Anbau bis zum Handel verbunden. Knapp 30 Prozent der weltweit verfügbaren Anbauflächen werden unnötig für die Menge der weggeworfenen Lebensmittel genutzt, erklärt die Verbraucherzentrale. 
Jährlich entstehen mehr als 38 Millionen Tonnen Treibhausgase und es werden 216 Millionen Kubikmeter Wasser verbraucht für Lebensmittel, die nach ihrem langen Produktions- und Transportweg direkt im Müll landen. 

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