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GESELLSCHAFT

Beziehungsweise

All by myself: Wie ich lerne, eine Beziehung zu mir selbst zu führen

Allein zu sein fällt einigen schwer. [Symbolfoto im Text: pixabay]

30.07.2020 11:07 - Julia Segantini

Während des Lockdown waren Viele plötzlich gezwungen, viel Zeit mit sich allein zu verbringen. Auch wer in einer glücklichen Partnerschaft ist, kann Schwierigkeiten damit haben, es zuhause ohne andere Menschen auszuhalten. Woran das liegt und wie man lernen kann, gut allein sein zu können, haben wir die Diplompsychologin Dr. Doris Wolf gefragt.

Während die einen gern Zeit mit sich selbst verbringen, sinkt bei anderen die Laune gegen den Nullpunkt, sobald Freund*innen und Familie weg sind. Wer gut mit sich selbst klarkommt, ist sich selbst genug, sagt Diplompsychologin Dr. Doris Wolf. Die Beschäftigung von Ängsten und Beziehungen verschiedener Art gehört zu ihren Spezialgebieten. Sie kennt sich deshalb auch mit dem Unterschied zwischen Alleinsein und Einsamkeit aus: „Alleinsein bedeutet, dass im Augenblick kein anderer Mensch anwesend ist. Dabei fühlen wir uns wohl. Einsamkeit ist hingegen verbunden mit Gefühlen von Ausgeschlossensein und Verlassensein.“

Wer so empfindet, muss lernen, sich wertzuschätzen und eigene Bedürfnisse zu erfüllen, um mit Problemen und Gefühlen adäquat umzugehen. Dr. Wolf empfiehlt, zu versuchen herauszufinden, woher die Gefühle der Einsamkeit stammen könnten und was einem fehlt. „Habe ich Angst vor anderen Menschen? Weiß ich nicht, wie ich Kontakt aufnehmen soll? Habe ich zu hohe Erwartungen an andere?“, seien Fragen, die man sich stellen sollte. Ist eine Angst vor Ablehnung die Ursache, müsse man lernen, diese zu überwinden, um besser Kontakte zu Menschen knüpfen und den Selbstwert zu steigern.

Wer so empfindet, muss lernen, sich wertzuschätzen.

Auch wenn viele das in Eigenregie schaffen, kann professionelle Hilfestellung den Prozess erleichtern. Wer es auf eigene Faust versuchen will, sollte laut Dr. Wolf bedenken, dass es kontraproduktiv ist, „wenn wir zum Beispiel versuchen, über Alkohol, Süßigkeiten, Drogen, Glücksspiel, exzessiven Sport, exzessives Kaufen oder Arbeiten, unsere innere Leere zu füllen.“ Genauso würden Selbstzweifel und eine Verurteilung dafür, dass man alleine ist, das Gefühl der Einsamkeit steigern. Akzeptanz sei der Schlüssel zu einer guten Beziehung zu sich selbst. „Wir sollten auf unsere inneren Selbstgespräche achten und mit uns so sprechen, wie ein guter Freund mit uns sprechen würde“, rät die Psychologin.

Sie schlägt außerdem vor: „Hilfreich ist es, genau das zu tun, was wir auch mit einem Partner tun würden: liebevoll die Wohnung dekorieren, uns zurechtmachen, das tun, was man mit dem Partner unternehmen würde.“ Wichtig sei außerdem, aktiv Dinge zu tun, die Spaß machen. Grübeln sollte man vermeiden, sagt sie. Trotzdem solle man sich Zeit nehmen, sich damit zu befassen, was einen innerlich bedrückt. Wer mehr erfahren oder Hilfe in Anspruch nehmen möchte, findet hier mehr Informationen.
 

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