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GESELLSCHAFT

Beziehungsweise

Absprung vom Freundschaftskummer

14.01.2019 09:36 - Mirjam Ratmann

 
 

Erneut der Blick auf das Smartphone. Heute bereits das vierte Mal. Keine Nachrichten. Da war es wieder – das Stechen im Bauch und das nicht enden wollende Gedankenkarussell: Warum meldet er sich nicht?

Um eins gleich vorweg zu nehmen: Nein, es handelte sich nicht um eine Liebesbeziehung. Ich, diejenige, die zum wiederholten Mal enttäuscht auf ihr Handy schaute, wartete auf die Rückmeldung eines guten Freundes, nennen wir ihn Martin. Wir haben zusammen studiert, hatten einen gemeinsamen Freundeskreis. Unsere Beziehung war rein platonisch. Und trotzdem hatte ich so etwas wie Liebeskummer – Freundschaftskummer.

Denn Martin und ich, so ähnlich wir uns in mancher Hinsicht waren, hatten komplett unterschiedliche Vorstellungen davon, wie eine gute Freundschaft auszusehen hat. Für mich ist es ein stetiges Geben und Nehmen – keine Einbahnstraße. Man tauscht sich aus, unterstützt einander und tut ungefähr gleich viel dafür, dass die Freundschaft bestehen bleibt. Natürlich funktioniert das nie zu 100 Prozent, aber die Richtung sollte stimmen.

Martin war da anders: Während ich mich stetig nach seinem Befinden erkundigte oder Dinge vorschlug, die man zusammen unternehmen könnte, kam von seiner Seite wenig. Er verließ sich darauf, dass sich der*die andere schon meldet. Sprach ich das an, wich er aus. Er scheute den Konflikt, anstatt mir direkt zu sagen, was ihn störte. Das frustrierte mich. Ich fühlte mich nicht wertgeschätzt. Aber dann waren da diese schönen Momente, lange Gespräche über Literatur und Musik, wo ich merkte, wie gern ich ihn in meinem Leben hatte, dass ich die Freundschaft noch nicht aufgeben wollte. Drei Jahre ging das so. Gute und schlechte Phasen wechselten sich ab, aber richtig zufrieden mit der Situation war ich nie. Es machte mich zusehends traurig. Doch einem offenen Gespräch darüber verweigerte Martin sich.

Rechtzeitig den Absprung finden

Ähnlich dieser Beziehung, gibt es auch andere toxische Freundschaftskonstellationen. In denen man sich hin und hergerissen fühlt zwischen glücklich und traurig sein. In denen nicht direkt angesprochen wird, wenn einem etwas nicht passt, es aber unterschwellig vermittelt wird, sodass man keine Möglichkeit hat, etwas zu erwidern. Doch wenn Druck ausgeübt wird oder einem ein schlechtes Gewissen dafür gemacht wird, dass man außerhalb einer bestimmten Beziehung glücklich ist, dann ist das keine Basis für eine gute Freundschaft. Auch ich habe Druck ausgeübt, hatte zu hohe Ansprüche an Martin. Ich empfand ihn als einen meiner besten Freunde. Er sah in mir wohl lediglich eine Freundin. Das, was ich von der Freundschaft erwartet habe, konnte oder wollte er nicht leisten. Wir manövrierten uns in eine Sackgasse.

Da ist sie wieder, die Kommunikation: Eine gute Freundschaft basiert ebenso wie eine Liebesbeziehung auf gegenseitigem Austausch und Ehrlichkeit. Und sicherlich gibt es diese Freundschaften, bei denen man sich monatelang nicht spricht oder sieht und keine gemeinsamen Momente teilt und es trotzdem klappt. Aber das ist die Ausnahme. Wenn der Austausch mehrheitlich nur von einer Seite geleistet wird, kann eine Freundschaft langfristig nicht funktionieren, sondern verletzt und frustriert.

Ich habe lange gebraucht, um das zu lernen. Und auch um zu realisieren: Personen wie Martin sind keine schlechten Menschen. Nur manchmal gehen die Vorstellungen darüber, was und wie eine Freundschaft zu sein hat, schlicht zu weit auseinander, als dass es für alle Parteien zufriedenstellend ausgeht. Doch wenn Freundschaften einen unglücklich machen, sollte man, lieber früher als zu spät, die Reißleine ziehen – denn vielleicht klappt es dann noch mit einer lockeren Bekanntschaft. Bei Martin und mir war es dafür leider zu spät. „Ein schönes Leben noch“ war das Letzte, was er nach drei Jahren für mich übrig hatte. Schlussendlich war der Cut wohl gut für uns beide.

 

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