Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

629 Kerzen für die Seenotrettung

Foto: Dennis Pesch

06.08.2018 10:20 - David Peters

Wütende Bürger, die gegen die europäische Flüchtlingspolitik demonstrieren. Was im ersten Moment wie Pegida klingt, ist eine Aktion des Bündnisses „Seebrücke – schafft sichere Häfen“. Am 4. August fand der bundesweite Aktionstag „Day Orange“ statt. Die Aktivist*innen wählten ganz unterschiedliche Wege, die zentralen Plätze in ihren Großstädten zu fluten und sich mit Menschen auf der Flucht und der Seenotrettung zu solidarisieren. Wir waren Mitte Juli bereits in Essen vor Ort und haben berichtet. Dieses mal berichten wir aus Dortmund.

Eine Viertelstunde vor Beginn der Demonstration am Dortmunder Stadthaus sah es nach einer recht spärlichen Teilnahme aus, in der Spitze wurden es laut Angaben der Veranstalter*innen dann aber doch fast 700 Menschen. Anja Sportelli, die Anmelderin der Demonstration, hatte im Vorfeld mit weniger Teilnehmenden gerechnet: „Ich habe die Veranstaltung für 50-100 angemeldet. Jetzt waren es 700 Menschen, davon bin ich sehr positiv überrascht.“

Angemeldet hatte sie die Demonstration übrigens als Einzelperson. Sie wollte wie viele andere nicht mehr tatenlos mit ansehen, dass Flüchtlinge auf dem Seeweg nach Europa im Mittelmeer ertrinken. „Ich habe bei der Seebrücke angefragt, ob für Dortmund etwas geplant ist, das schien nicht der Fall zu sein. Dann habe ich angefangen rumzutelefonieren und sehr schnell Unterstützung gefunden”, so Sportelli.

Seenotrettung als Menschenrecht

Zum Auftakt der Demonstration machten die Organisator*innen ihre Haltung deutlich: „Wir stehen hier um etwas einzufordern, was eigentlich Menschenrecht ist - aus Seenot gerettet zu werden.“ Die Route der Demonstration führte durch die Dortmunder Innenstadt bis

„Alleine im Juni sind 629 Menschen im Mittelmeer ertrunken.“

zum Brunnen am Stadtgarten. Viele Teilnehmer*innen trugen Orange, die Farbe der Seenotrettung und brachten Schilder und Banner mit. Auf dem Weg wurde vielfach „Seenotrettung ist kein Verbrechen“ skandiert. Das erzeugte eine Menge Aufmerksamkeit bei den Passant*innen. Am Stadtgarten erfolgten vier Redebeiträge. Paul Gerhard Stamm von der Dortmunder Flüchtlingshilfe kritisierte die aktuellen Zustände in seinem Beitrag: „Alleine im Juni sind 629 Menschen im Mittelmeer ertrunken. Es macht uns wütend, wenn Seenotretter kriminalisiert werden, Seenotrettungsschiffe festgesetzt und Kapitäne angeklagt werden.“

Der aktuellste Fall ist das Rettungsschiff Lifeline und sein Kapitän Claus-Peter Reisch. Das Schiff wurde unter dem Vorwurf, es wäre nicht ordnungsgemäß registriert worden, in Malta festgesetzt und Reisch angeklagt. Vorher irrte es mit 230 geretteten Geflüchteten über das Mittelmeer, da ihm in mehreren Häfen und Ländern das Anlegen verweigert wurde. Nach den Redebeiträgen wurden 629 Kerzen, die symbolisch für die ertrunkenen Menschen stehen sollten, angezündet und im Brunnen schwimmen gelassen. Diese wurden nach Ende der Demonstration durch Helfer*innen wieder entfernt.

Die Seebrücke in Deutschland soll weitergehen

Gekommen waren Menschen jeglicher Altersgruppen und Hintergründe. Es entsteht der Eindruck, dass die Debatte über sichere Fluchtrouten nicht mehr nur von linken oder autonomen Gruppen vorangetrieben wird.  „Für viele Menschen ist nun eine Linie überschritten, wenn von politischer Seite das Sterben der Menschen im Mittelmeer in Kauf genommen wird, dann gibt es aus der Mitte der Gesellschaft viele Menschen, die sagen, das lassen wird nicht zu und da gucken wir auch nicht weg. Das ist auch die Stärke von Seebrücke. Wir sind in der Lage die Menschen in dieser Thematik zu sammeln und zu einen“, erklärt Sportelli diesen Wandel. Die Seebrücke-Aktionen sollen in Dortmund keine Eintagsfliege bleiben, Sportelli kündigte an: „Das war erst der Anfang. Ich hoffe, dass die Seebrücke in Dortmund noch größer wird.“ Für zukünftige Aktionen wünscht sie sich, dass die Organisation auf weitere Schultern verteilt wird.

Staub+Trocken=

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