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CAMPUS

Solidarsemester-Bündnis: „Die Krise war nie weg.”

In der Pandemie mangelte es Studierenden nicht nur an Geld.

[Foto: Magdalena Kensy]

04.03.2022 12:37 - Helena Wagner

Das Wintersemester 2021/2022 neigt sich langsam dem Ende zu und damit kommt die Frage auf, wann das Leben am Campus wieder in geregelten Bahnen läuft. Viele Studierende versuchen noch immer, die finanziellen und akademischen Schäden der Pandemie aufzufangen. Doch Unterstützung ist von Seiten des Landes nicht zu erwarten. Das Solidarsemester-Bündnis will daran etwas ändern.

Kein Geld für die Miete, keine Ruhe zum Lernen, keinen Kopf für die Uni. Für viele Studierende hatten die letzten vier Semester nichts mit einem Studium zu tun, sondern glichen eher einem Kampf mit Behörden und Mahnungen. Seit die Überbrückungshilfen im September 2021 eingestellt wurden, weil sie laut der Regierung „nicht länger notwendig” sind, waren die Studierenden wieder auf sich allein gestellt. Bis auf den kleinen Hinweis auf den Heizungskostenzuschuss, bei dem Studierende jedoch als einzige Gruppe vernachlässigt wurden. Genug ist genug, meint das Solidarsemester-Bündnis. Es besteht aus über 200 Partner:innen, darunter der freie zusammenschluss von student:innenschaften (fzs), die sich mit einer überarbeiteten Forderung an die Bundesrepublik richten.

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Die Forderungen setzen sich aus verschiedenen Punkten zusammen. Ganz oben wird weiterhin die fehlende finanzielle Unterstützung der Studierenden kritisiert. Dass eine BAföG-Reform längst überfällig ist, thematisiert auch der fzs immer wieder. „Existenzangst lähmt, sie lenkt vom Studium ab und zwingt zum Studienabbruch. Das ist noch das offensichtlichste Problem”, kritisiert das Bündnis.

Fristen-Freiheit, mehr Personal und bessere Ausstattung

Für das Bündnis ist klar: „Fristen wie das Ende der Regelstudienzeit, Prüfungs- und Finanzierungsfristen müssen bundesweit einheitlich für jedes Semester unter Pandemiebedingungen verlängert werden.” Den gleichen Druck durch diese Fristen während einer Pandemie auf die Studierenden auszuüben sei in keinster Weise für das Studium förderlich. Gefordert werden darüber hinaus eine einheitliche Freiversuchsregelung sowie die Verlängerung von auslaufenden Studiengängen und -ordnungen um drei Semester. Studierende sollen die Chance haben, unter fairen und weniger angespannten Bedingungen ihre Prüfungen abzulegen.

Darüber hinaus werden zusätzliche Gelder für mehr Personal und dessen Schulung für hybride Semester gefordert. Beratungsstellen, wie zum Beispiel für psychische Belastungen, sollen ebenfalls mit mehr Personal bespielt werden, um mehr Bedürftige auffangen zu können. Für ausländische Studierende fordert das Bündnis, dass der Finanzierungsnachweis ausgesetzt und eine selbstständige Tätigkeit generell erlaubt und anerkannt werden muss. „Fristen zur Arbeitssuche im Anschluss an das Studium sind unbefristet zu verlängern. Ausländischen Studierenden sind außerdem gültige Aufenthaltserlaubnisse statt Fiktionsbescheinigungen auszustellen”, so das Bündnis. Eine Fiktionsbescheinigung wird als Übergangserlaubnis erteilt, während ein Antrag auf eine Aufenthaltserlaubnis geprüft wird. Das Aufenthaltsrecht ist mit dieser Bescheinigung nur ein vorläufiges und damit nicht gesichert.

Vorbereitung auf die kommenden Semester

Das Solidarsemester-Bündnis geht auch auf die geänderten Lernbedingungen ein: „Gesellschaftliches Leben setzt einen Ort voraus, sei dies ein Wohnzimmer, ein Büro oder ein Restaurant, all dies können sich Studierende nicht leisten. Die Uni war dieser Ort.” Ein Studium ist inzwischen ohne einen funktionierenden Computer und eine gute, stabile Internetverbindung nicht mehr zu meistern. Doch genau das fehlt einigen Studierenden. Das führt dazu, dass nicht alle Studierenden die gleichen Bedingungen haben. „Unter den aktuellen Bedingungen nehmen die sozialen Ungleichheiten sowohl unter den Studierenden als auch unter den Wissenschaftler:innen weiter zu. Von den Folgen der Corona-Krise sind sozial schwächere Gruppen, wie Arbeiter:innenkinder, an Hochschulen in besonderem Maße betroffen”, so das Bündnis auf ihrer Webseite.

Auch der fzs stimmt in diesen Punkten zu: „Nicht alles lässt sich jetzt noch ändern. Einiges, wie etwa Freiversuchsregelungen, aber schon. Auch über rückwirkende Anpassungen sollte daher gesprochen werden", so fzs-Vorstand Matthias Konrad in einer Pressemitteilung. Die Bündnismitglieder appellieren weiter daran, dass das kommende Sommer- und auch das Wintersemester nicht nur für die Studierenden, sondern auch für die Lehrkräfte planbarer wird, um vor Überforderung zu schützen: „Wir hoffen, dass die Hochschulen vorausschauender planen als in den vergangenen Jahren und dass auch politisch frühzeitig Maßnahmen getroffen werden", fordert Marie Müller vom fzs-Vorstand.

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