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CAMPUS

Noten kaufen an der UDE - Was hat sich nach den Korruptionsvorwürfen verändert?

Die UDE musste sich in den vergangenen Wochen am Campus Essen mit Korruptionsvorwürfen auseinandersetzen.

[Foto: Magdalena Kensy]

22.11.2021 14:22 - Magdalena Kensy

Im Oktober 2021 bewahrheiteten sich die jahrelangen Gerüchte, dass es in der zentralen Universitäts-Verwaltung der Universität Duisburg-Essen (UDE) bessere Noten gegen Bezahlung geben soll. Wir haben mit dem Hochschulsprecher Thomas Wittek gesprochen, was sich seit den Vorwürfen an der UDE getan hat. 

800 Euro damit aus einer durchgefallenen Prüfung eine bestandene wird? Für Studierende klingt das fast zu schön, um wahr zu sein. An der UDE hat aber genau das stattgefunden. In der zentralen Universitätsverwaltung gab es eine Mitarbeiterin des Prüfungssekretariats, die mindestens vier Jahre lang gegen Bezahlung Noten verbessert haben soll. Ihr Aufgabenbereich: Die BWL Studiengänge am Campus Essen, die zur wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät gehören. Durch einen anonymen Hinweis hat die UDE zu den Vorwürfen Anfang des Jahres zuerst interne Ermittlungen eingeleitet. Durch die erhärtete Beweislage hat die Universität daraufhin selbst Anzeige erstattet. Der Verwaltungsmitarbeiterin wurde aufgrund möglicher Korruption bei der Notenvergabe gekündigt. Neben dem zu Unrecht Bestehen einer Prüfung für 800 Euro, soll die Ex-Mitarbeiterin für eine Höherstufung der Note pro 0,3 Punkte 50 Euro kassiert haben.

Aberkennung der Abschlüsse 

Die Staatsanwaltschaft Essen ermittelt „im Bereich der Korruptionsdelikte“, sagte ein Sprecher der Behörde auf Anfrage. Ermittelt wird neben der Ex-Mitarbeiterin auch gegen rund 50 Studierende in 160 Fällen. Laut Berichten der Staatsanwaltschaft Essen sollen bei den 50 Studierenden bereits Durchsuchungen stattgefunden haben. Es gehe aber auch um Fälle, die schon ein paar Jahre zurückliegen, teilweise aus dem Jahr 2017.
Die Folge der Notenmanipulation: Zahlreichen Absolvent:innen der Uni droht die Aberkennung ihrer Abschlüsse. „Wir haben im Zuge der Ermittlungen alle relevanten Angaben zu den betroffenen Personen an die zuständigen Behörden weitergegeben. Wir warten jetzt das Ergebnis des Ermittlungsverfahrens ab. Im Anschluss werden wir die unsererseits erforderlichen rechtlichen Schritte einleiten“, erklärt Hochschulsprecher Thomas Wittek. 

Jens Andreas Meinen, Kanzler der UDE, will die Ermittlungen weiter unterstützen: „Hier geht es um das Vertrauen in unsere Prüfungsverfahren und die Abschlüsse, die man bei uns erwerben kann. Wir sind froh, dass Polizei und Staatsanwaltschaft gründlich ermitteln, um den Sachverhalt aufzuklären.“
Die Aberkennung von Abschlüssen ist laut Angaben der UDE ein längerer Prozess. Jeder der Fälle müsse einzeln geprüft und den Betroffenen die Möglichkeit gegeben werden eine Stellungnahme abzugeben. Die UDE hat – auch mit Blick auf das weiter laufende Ermittlungsverfahren – noch keine Schritte in diese Richtung eingeleitet, lautet das Statement von Wittek. „Dies wird aber passieren, sobald alle rechtlichen Fragen dazu geklärt sind.“

Datenlücke schließen und Reputationsgefährung?  

Doch wie konnte es überhaupt zu solch einer Manipulation kommen? Laut dem Bericht der Staatsanwaltschaft und der Aussage der UDE war die parallel laufende schriftliche und elektronische Erfassung der Noten fehleranfällig gewesen. Die Noten wurden bis dato durch Prüfer:innen auf Papier notiert und später in der Verwaltung in das Computersystem übertragen, so Wittek. Ein immenser Aufwand, da nach eigenen Angaben rund 120.000 Prüfungen pro Semester an der UDE stattfinden. 

„Ein langfristiger Reputationsschaden ist für die UDE nicht zu befürchten.“

Nach den Korruptionsvorwürfen hat sich die Universität mit den Arbeitsabläufen zwischen den Fakultäten und der zentralen Prüfungsverwaltung genauer auseinandergesetzt. Wittek erklärt: „Wir werden Veränderungen vornehmen, die zur nächsten Prüfungsphase am Ende des laufenden Wintersemesters wirksam werden. Künftig werden die Fakultäten die Noten selbst in die zentrale Prüfungsdatenbank eintragen.“ In der Zwischenzeit werden Prüfroutinen durchgeführt, damit sich der Fall von Manipulation nicht wiederholen kann. Zusätzlich werden Schulungen zur Korruptionsprävention bei den Mitarbeiter:innen eingeführt. 

Das eigenständige Anzeigen der UDE gegen die ehemalige Mitarbeiterin, das schnelle Handeln bei der internen Überprüfung und Entlassung, die Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft, und dass es keine weiteren Unregelmäßigkeiten bei den Noten der anderen Fakultäten gab, veranlasst Wittek dazu zu sagen: „Aus diesem Grund ist ein langfristiger Reputationsschaden für die UDE nicht zu befürchten.“

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