Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

CAMPUS

Lehrkräfte PLUS: Wiedereinstieg für Geflüchtete

In einer sechsmonatigen Praxisphase können sich Teilnehmende bereits in das deutsche Schulsystem einfinden. [Foto: pixabay]

08.11.2021 13:55 - Ayssa Maiß

Lehren, für viele mehr Berufung als Beruf. Mit dem Programm Lehrkräfte PLUS kommen Geflüchtete dem Traum des Wiedereinstiegs in den Schulbetrieb etwas näher. An der Universität Duisburg-Essen (UDE) können sich qualifizierte Lehrkräfte bis zum 12. November für das einjährige Programm bewerben. Wie das Programm abläuft und welche Perspektiven sich eröffnen.

Der Mangel an Lehrkräften ist, seit die Geburtenrate in den 2000ern überraschend Anstieg, ein bundesweites Problem und der Weg in den Schulbetrieb ist lang. Dem setzt das Land NRW mit dem Programm Lehrkräfte PLUS entgegen. Das vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) geförderte Programm besteht seit 2017 und ist seit letztem Jahr mit der UDE und der Universität Siegen an fünf Standorten vertreten. Aufgenommen werden Bewerber:innen, die in ihrem Herkunftsland ein Studium abgeschlossen und mindestens zwei Jahre Berufserfahrung haben. „An der UDE konzentrieren wir uns aktuell auf die MINT-Mangelfächer, also Mathe, Physik, Chemie und (Bau-)Technik“, erklärt Marit Nina Martinez, Projektkoordination am Zentrum für Lehrerbildung (ZBT).

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„Das A und O ist es, am Ball zu bleiben“

Für die Dauer des Programms sind die Teilnehmenden als Sprachstudierende eingeschrieben und durchlaufen ein Vollzeitstudium. Zu Beginn steht ein Deutschkurs, der die Teilnehmenden auf eine Sprachprüfung für das C1-Niveau vorbereitet. „In den ersten Runden des Programms haben wir auch Bewerber:innen mit B1-Niveau angenommen, aber gemerkt, dass das zu niedrig angesetzt war. Daher ist es jetzt offiziell Voraussetzung, ein B2-Zertifikat zu haben. Das sind jedoch Formalia, entscheidend ist dann der Eindruck im Bewerbungsgespräch“, erzählt Martinez. Die sechs Niveaustufen von A1 (Anfänger:in) bis C2 (Expert:in) stellen einen Referenzrahmen dar, um Lernfortschritte und Sprachzertifikate europaweit vergleichbar zu machen. „Es lohnt sich, diese große Chance des Programms zu ergreifen und ernst zu nehmen, auch wenn man mit Problemen konfrontiert sein wird. Das A und O ist es, am Ball zu bleiben und den Kopf nicht hängen zu lassen“, empfiehlt Monther Al-Balkhi, Alumnus des Programms an der Universität Bielefeld.

Neben der Vorbereitung auf die Sprachprüfungen werden interkulturelle und landeskundliche Kompetenzen vermittelt sowie fachdidaktische Seminare angeboten. Trotz der Berufserfahrung, die die Teilnehmenden mitbringen, gebe es doch große Unterschiede zur Lehrform des Herkunftslandes, berichten die Alumni. In den letzten sechs Monaten können die Teilnehmenden den Unterricht in einer nahegelegenen Schule mithilfe ihrer Mentor:innen begleiten und letztendlich führen.

Eine Innovation im deutschen Schulsystem

Mit dem Zertifikat Lehrkräfte PLUS können Alumni in NRW unter anderem als Vertretungslehrkraft arbeiten. „Es dauert aber üblicherweise sehr lang, bis diese Stellen entfristet werden“, räumt  Projektkoordinatorin Martinez ein. Daher erklärt es ein Evaluationsbericht des Programms im Auftrag der Bertelsmann Stiftung als großen Erfolg, dass das Folgeprogramm Internationale Lehrkräfte fördern (ILF) in allen fünf Regierungsbezirken NRWs initiiert wurde. In diesem zweijährigen Anschlussprogramm bleiben die Lehrkräfte im besten Fall an der vorherigen Schule und verfestigen ihre Deutschkenntnisse. „Von unseren letzten Absolventen sind die meisten in das ILF-Programm übergegangen“, freut sich Martinez. Teilnehmende des ILF-Programms sind als Teilzeitlehrkraft angestellt und erhalten weiterhin Sprachkurse und Unterricht am Zentrum für schulpraktische Lehrer:innenbildung (ZfsL). Mit Abschluss des ILF- Programms können Alumni dann dauerhaft als Lehrkräfte in NRW tätig werden. Die Qualifikation von Lehrkräften mit Fluchtgeschichte bewertet die Evaluation der Bertelsmann Stiftung daher als „eine Innovation im deutschen Schulsystem.“

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