Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

CAMPUS

„Gebt uns die Macht zurück“

Die Nachbildung des Zepters in der Universitätsbibliothek

der UDE am Campus Duisburg.

[Foto: privat]

28.04.2022 09:29 - Saskia Ziemacki

Der Student der Universität Duisburg-Essen (UDE), Quirin Jetschke, stellt beim Studierendenparlament einen ungewöhnlichen Antrag: Er will das Universitätszepter der ehemaligen Universität Duisburg durch einen Protestzug von der Universität Bonn zurückholen und fordert die Rückerstattung einer unrechtmäßigen Zahlung aus dem Jahr 1819 von der Universität Köln.

Universitätszepter waren im Mittelalter von großer symbolischer Bedeutung. Die Universität zeigte damit ihre rechtliche Sonderstellung, ein eigener Herrschaftsbereich mit eigener Gerichtsbarkeit zu sein. Auch für die alte Universität Duisburg, die von 1655 bis 1818 bestand, wurden zwei Zepter angefertigt. Nach Schließung der Universität gingen die Zepter an die Universität Bonn. Wie die „Übergabe“ vonstatten gegangen ist, scheint in der Forschung kontrovers diskutiert zu sein. 

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Dr. Thomas Becker, Leiter des Archivs der Universität Bonn, ist sich sicher, dass die Zepter nach der Schließung der Universität Duisburg von der preußischen Regierung rechtmäßig weitergegeben worden sind. „In Duisburg hat man manchmal vergessen, dass es ein ganz ordnungsgemäßer Vorgang war und dass die Duisburger Universität nicht mehr bestanden hat. Die Sache wird so verbreitet, als hätten wir die Zepter geklaut“, so der Historiker. Doch das streitet er ab: „Es ging nicht von der Universität aus. Es ging von der Regierung aus, dass die Zepter nach Bonn gekommen sind.“ Es heißt, die Zepter wurden auf Erlass des Königs von Preußen am 14. Januar 1819 dem ersten Bonner Rektor zugestellt.

Alles nur geklaut?

Auch die UDE beginnt Anfang der 2000er Jahre zu dem Thema zu forschen. 2005 erscheint ein Buch anlässlich des 350. Jahrestages der Gründung der alten Universität Duisburg. Darin stellen sich Prof. Dr. Dieter Geuenich und Prof. Dr. Irmgard Hantsche vom historischen Institut der UDE die Frage, ob die Bonner den Duisburgern die Insignien der Macht gestohlen hätten. Ausgang dieser Frage ist ein merkwürdiger Werteausgleich. Die Zepter besaßen mit drei Pfund und dreieinhalb Lot einen Silberwert von 70 Talern, elf Groschen und acht Pfennigen. Dieser Betrag wurde ausgezahlt, jedoch nicht an Duisburg, sondern an die Universität Köln. Warum, ist nicht bekannt.

„Forderungen von Duisburger Seite, die Zepter zurückzugeben, waren bislang nicht erfolgreich“, heißt es auf einem Schild zur Nachbildung eines Zepters in der Universitätsbibliothek Duisburg. Diese Forderungen wecken das Interesse von UDE-Student Quirin Jetschke. „Ich möchte, dass das Zepter von den Studierenden zurückgeholt wird, damit wir uns die Macht über die Uni zurückholen“, sagt er. Denn die UDE sei keine Universität der Studierenden mehr, so Quirin. „Ich habe vorher in Konstanz studiert und da gab es viel mehr Angebote von Studierenden.“ Das liege vor allem daran, dass die Uni sich als Pendler-Uni bezeichnet und es keine Studi-Szene gebe, erklärt der Masterstudent.

Mehr politische Teilhabe an der UDE

„In den sechziger bis neunziger Jahren waren Unis sehr politisch aktiv. Das gibt es heute nicht mehr“, so Quirin. Er studiert Internationale Beziehungen und Entwicklungspolitik und möchte sich dafür einsetzen, dass sich Erstsemester politisch mehr engagieren. Dafür geht er vor das Studierendenparlament mit einem Antrag zur Finanzierung eines Protestzugs zur Universität Köln. Er fordert die Rückerstattung des seiner Meinung nach unrechtmäßigen Werteausgleichs aus dem Jahr 1819. „Der Kanzler der Universität zu Köln ist über den Tatbestand informiert und als Jurist auch mit dem Tatbestand der Hehlerei vertraut“, so Quirin. Vorläufiges Ziel des Protestzuges sei das Büro des Kanzlers. „Ich habe ihm geschrieben, dass es so wäre, als wenn ich sein Auto wiege, dann an seine Tochter verkaufe und ihm nur den Materialwert des Autos gebe.“ Eine Antwort hat der Student nicht erhalten.

Auch wenn es Quirin hauptsächlich um Gerechtigkeit geht, würde er auch das Geld gerne den Studierenden zukommen lassen. Denn bei dem Materialwert der 70 Taler, elf Groschen und acht Pfennige handelt es sich laut Quirins Recherche um zirka 630.000 Euro. „Geld, das die Universität Duisburg-Essen heutzutage gut gebrauchen kann“, wie er sagt. Der Antrag wurde beim Studierendenparlament abgelehnt. Das für den Protestzug geforderte Geld könne besser verwendet werden, sei das Hauptargument gewesen, so Quirin. Ohne Unterstützung wird er erstmal nichts organisieren, doch die Hoffnung bleibt bestehen: „Es ist auch gut, die Story erstmal zu verbreiten.“ An die Rektorin der UDE will er damit nicht herantreten. „Ich möchte, dass es von den Studierenden selbst ausgeht. Dass wir es schaffen, das Zepter zurückzuholen!“

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