Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

CAMPUS

„Dienstleister für Studis zu sein, ist eine gute Sache!“

Freund:innen treffen und günstig essen: Der Mensabetrieb ist ein wichtiger Bestandteil des Studi-Lebens. [Foto: Ayssa Maiß]

19.02.2022 08:32 - Helena Wagner

Nach der Vorlesung mit den Kommiliton:innen in der Mensa zu Mittag essen – alle Studierenden kennen das. Doch wer entscheidet eigentlich, was auf den Speiseplänen steht? Und wie sieht es hinter den Kulissen der Mensa am Campus Essen der Universität Duisburg-Essen (UDE) aus? Küchenleiter Martin Koch und Qualitätsmanager Oliver Lubojanski vom Studierendenwerk Essen-Duisburg haben uns diese und weitere Fragen beantwortet.

In der Hauptmensa der UDE kümmern sich 45 Küchenfrauen und fünf Köch:innen darum, dass die Studis am Campus Essen in der Mittagspause etwas zu Essen haben. Vor der Theke tummeln sich Studierende und Mitarbeiter:innen der Universität. In der Zeit zwischen 11:15 Uhr und 14:15 Uhr kann man von Montag bis Freitag zwischen drei oder vier Gerichten wählen. Eine vegane Alternative gibt es immer, an der Salatbar und der Pizzastation kann man sich ebenso zu günstigen Preisen bedienen. Doch was passiert hinter der Theke?

Viele Studis, die neu an der UDE studieren, kennen den Mensabetrieb nicht so rege. Vor der Pandemie sah das anders aus, erzählt Küchenleiter des Standpunkts Essen, Martin Koch: „Wir produzierten an einem Tag vor der Pandemie 3000 Mahlzeiten. Inzwischen sind es keine 1000 mehr. Die Produktion hat sich um zwei Drittel heruntergefahren.“ Woran das liegt, ist klar: „Es fehlt der Kundenstamm. Dieser besteht nicht nur aus den Studierenden am Campus, sondern vor allem auch aus den Bediensteten und den Dozierenden, die jetzt überwiegend im Home-Office arbeiten.“

Pilotprojekt Vegan-Mensa?

Doch wie wird geplant, welche Gerichte wann angeboten werden? „Unser Grundplan wird alle acht Wochen geändert. Nach diesem kaufen wir ein. Es wird aussortiert, was die Studierenden nicht mögen. Das machen wir an den verkauften Gerichten fest. Dabei müssen natürlich die Lagerkapazitäten berücksichtigt werden“, erzählt Koch. Mitproduziert wird am Campus alles, was in den Cafeterien und der Zentralküche angeboten wird.

"Den Kunden zu bevormunden, halten wir jedoch für keine gute Idee.“

„Wir versuchen, aktuelle Themen aufzugreifen. Es gibt sicherlich Speisen, die so vor 20 Jahren nicht auf dem Menü zu finden waren. Die Nachfrage nach vegetarischen und veganen Speisen wächst immer mehr, doch die meistverkauftesten Speisen sind noch immer das Schnitzel und die Currywurst“, berichtet Koch. Der Trend zu einer veganen Ernährung bei den Besucher:innen ist zu erkennen, jedoch nicht in Stein gemeißelt: „Vor der Pandemie verkauften wir am Tag zwischen 700 und 800 vegane Gerichte. An Tagen, an denen es Burger gab, waren es gerade noch um die 250.“

Beim Thema Veganismus ist Koch offen. Er legt jedoch Wert darauf, die Entscheidung nicht vorwegzunehmen: „Pilotprojekte mit ausschließlich veganen Mensen wie in Berlin könnten wir uns bei entsprechender Nachfrage vorstellen. Den Kunden zu bevormunden, halten wir jedoch für keine gute Idee.“ Es gehe darum, dass man sich immer frei entscheiden könne, ob man vegan isst oder nicht. Diese Entscheidung möchte man den Kund:innen überlassen.

Steigende Sozialbeiträge – steigende Preise?

Im kommenden Semester müssen Studierendenwerke in NRW die Studierenden stärker belasten, da sie vom Land NRW nicht genügend Zuschüsse bekommen (akduell berichtete). Einige Studierendenwerke erklärten, dass sie neben den Sozialbeiträgen auch die Preise der Mensen erhöhen müssen, um die fehlenden Gelder auszugleichen.

Die Cafeten der UDE müssen sich selbst tragen. Deshalb gibt es dort keine Preisstaffelung für Mitarbeitende, Gäste und Studierende. Die Staffelung in der Mensa entsteht durch die Bezuschussung vom Land. Oliver Lubojanski, Qualitätsmanager des Studierendenwerks Essen-Duisburg, ergänzt dazu: „Wichtig ist die Unterscheidung von Uni und Studierendenwerk. Es gibt einen Interessenkonflikt im Rahmen der Dienstleistung. Dieser Rahmen wird durch die Entscheidung des Landes bestimmt, für die Lehre Geld bereitzustellen, jedoch nicht für die Versorgung der Studierenden. Durch solche Entscheidungen des Landes wird unser Handlungsrahmen kleiner und wir müssen darauf reagieren.“

Dabei wird vor allem das Personal vernachlässigt. Durch die fehlenden Einnahmen und die Pandemie befinden sich immer noch 80 Prozent der 220 Mitarbeitenden in Kurzarbeit: „Der Personalschlüssel wird heruntergefahren und es wird gespart, wo es geht. Das sind kleine Stellschrauben, an denen wir drehen können, um für die Studis und die Angewiesenen die Dienstleistung weiterhin so anbieten zu können, wie sie es brauchen. Unsere Motivation ist nicht der Gewinn, sondern die soziale Dienstleistung“, stellt Lubojanski klar.

Qualität = leuchtende Studi-Augen

Über die Qualität des Essens sagt Lubojanski: „Wir werden regelmäßig vom TÜV Süd kontrolliert und erhalten hervorragende Ergebnisse. Wir gelten als Vorzeigebetrieb.“ Das ist Koch und Lubojanski wichtig. Koch erklärt: „Wenn zum Beispiel eine Schüssel hinter der Theke zerbricht, wird das Essen, was daneben stand, nicht mehr ausgegeben. Bevor etwas passiert, kommt die Charge weg.“ In Zukunft ist die Einführung des CO2-Rechners „eaternity“ geplant, der den ökologischen Fußabdruck der Speise anzeigen soll.

Bei der Nachfrage, wie es ist, für Studierende zu arbeiten, lächeln beide: „Dienstleister für Studis zu sein ist definitiv eine gute Sache! Momentan ist die Arbeit etwas eintönig, das ist zum Ende des Semesters aber normal. Am Anfang des Semesters macht es am meisten  Spaß, vor allem seit dem Umbau der Mensa 2012.“ Lubojanski ergänzt: „Besonders schön ist es, die Erstis am Anfang des Semesters dabei zu beobachten, wie sie sich über Gerichte freuen. Wenn man sieht, dass die Mensa gut besucht ist und unter den Studierenden ein reger Austausch herrscht.“

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