Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

CAMPUS

Die Erstiwoche als Viertsemester

Cheers! Auf ein gutes (Präsenz-)Semester an der Uni. [Foto: pixabay]
19.10.2021 15:28 - Özgün Ozan Karabulut

Zum Sommersemester 2020 fing unser Redakteur sein Masterstudium an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) an. Aufgrund der Corona-Pandemie war der Campus für ihn fremd, seine Kommiliton:innen kannte er nicht. Wie es für ihn war, als Viertsemester an der Erstiwoche teilzunehmen.

Ein Campuserlebnis von Özgün Ozan Karabulut

Zuerst hieß es, die Erstiwoche ist nur für Studienbeginner:innen des aktuellen Semesters vorgesehen. Toll. Schon wieder keine Chance, die neue Uni und Leute aus meinem Studiengang kennenzulernen. Und das nach drei Online-Semestern. Kurz vor Beginn der Erstiwoche entdeckte ich auf der Insta-Seite der Fachschaft einen Post: Studis aus dem Sommersemester 2020 dürfen ebenfalls teilnehmen. 

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Auch wenn viele Menschen in Kombination mit Alkohol nicht so mein Ding sind, gab ich mir einen Ruck. Vielleicht lerne ich nette Mitstudis kennen und kann mich mit ihnen unterhalten. Als ich montags zu meiner Gruppe der Campus-Rallye, begleitet von Nieselregen, erschien, machte ich mir Gedanken. Wie war das eigentlich noch mal, ein echter Studi zu sein? Auf Uni-Partys war ich nie. Mein Studileben an der Universität Duisburg-Essen (UDE) bestand aus Pendeln, Lernen und Klausuren schreiben. Möglicherweise stellte das Studium an der RUB einen Neuanfang dar.

Verdammt bin ich alt!

Aus den Boxen dröhnte Musik einer wild zusammengestellten Playlist. Auf leeren Magen gab es bei mir zu viel Süßes wie Bonbons und Limonade, während die anderen ein Pils nach dem anderen öffneten. Es wurde gegrillt und Flunkyball, Wikingerschach und Spikeball gespielt. Beim Beerpong traf ich nicht einen einzigen Becher, selbst Angetrunkene versenkten ihre Würfe wie Dirk Nowitzki. Es machte Spaß, mit anderen Studis zu spielen und zu lachen. Ich fühlte mich wie ein echter Student.

18 und 19-Jährige Bachelorerstis fragten mich eifrig nach einfachen Modulen und Tipps fürs Studium. Verdammt bin ich mit meinen 26 Jahren alt, dachte ich mir bei ihrem Anblick. Irgendwie gab es mir aber ein gutes Gefühl, jungen Studis zum Studienstart etwas mit auf den Weg zu geben. Ich erinnerte mich an meine Erstiwoche an der UDE, als ich noch frisch im Bachelor war. Ich war völlig aufgeschmissen und planlos. Damals hätte ich mich über Tipps älterer Semester gefreut.

Endlich echte Menschen

Nicht alles war schön in der Erstiwoche. Wie zu erwarten war wurde ich mit rassistischem Scheiß konfrontiert. „Du siehst aus, als könntest du Arabisch sprechen“. Ok und du blasser Typ kannst bestimmt fließend Norwegisch, oder? Wenigstens waren zwei Personen anwesend, die mir in der Situation zur Seite standen, ich fühlte mich dank ihnen nicht hilflos. Das Erlebnis drückte meine Stimmung; zu der Party am späten Abend ging ich nicht mit.

Am letzten Tag gab es eine Veranstaltung speziell für Mastererstis. Dort traf ich Studis aus meinem Studiengang, die mit mir zum Corona-Semester ihr Studium anfingen. Ich strahlte über beide Ohren, nach drei Semestern endlich die Menschen aus den Zoom Calls in Person zu sehen. Kontakte zu knüpfen fällt mir schwer. Schließlich unterhielt ich mich mit einer Studentin über das Lackieren von Fingernägeln, weil ich ihre interessant fand.

Die Erstiwoche als eigentlicher Viertsemester war aufregend. Ich bin froh teilgenommen zu haben und jetzt ein paar Leute und Gesichter zu kennen, mit denen ich mich unterhalten oder in der Mensa essen gehen kann. 

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