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CAMPUS

Brexit: Wie geht es mit Erasmus weiter?

Wer wird sich ein Auslandsaufenthalt im Vereinigten Königreich künftig noch leisten können? [Foto: Julia Segantini]

10.02.2021 16:25 - Julia Segantini

Ein Auslandssemester ist eine gute Gelegenheit, um eine Sprache und eine Kultur besser kennenzulernen. Bei manchen Studiengängen ist das sogar fest im Studienverlaufsplan verankert. Aber ist ein Erasmus-Semester in Großbritannien nach dem Brexit noch möglich? Was sich seit dem Austritt Großbritanniens aus der EU geändert hat, haben wir Ira Terwyen, Erasmus Hochschulkoordinatorin an der Universität Duisburg-Essen (UDE) gefragt. 

Mit dem Brexit verlässt das Vereinigte Königreich nicht nur die EU, sondern auch das Erasmus+-Programm. In diesem Förderprogramm werden Studierenden die Studiengebühren erlassen. Der Ausstieg macht zukünftige Erasmus-Aufenthalte in England, Schottland, Wales und Nordirland unmöglich. Müssen also alle Studierenden, die von einem Semester in London oder Edinburgh träumen, sofort umplanen?

„Nein, das müssen sie zum Glück nicht. Die Förderung und der Austausch durch Erasmus ist fürs erste gesichert. Das ist an unserer Uni so, weil wir immer Zwei-Jahres-Projekte im Erasmus beantragen und das aktuelle noch bis zum 31. März 2023 läuft. Die Studierenden, die jetzt planen, im Wintersemester 21/22 nach Großbritannien zu gehen, bewerben sich ganz regulär“, versichert Ira Terwyen. Sie sitzt als Erasmus Hochschulkoordinatorin im Akademischen Auslandsamt der UDE. 

Viel Aufwand und noch mehr Geld

Studierende der UDE haben damit vergleichsweise Glück: Manche Hochschulen haben nur Ein-Jahres-Verträge und können ihre Studierenden nur noch bis 2022 mit Erasmus fördern. „So haben wir in diesem Chaos zumindest ein bisschen Zeit, um zu gucken, wie es danach weitergeht“, sagt Terwyen. Denn was nach 2023 passiert, ist noch unklar. Auch jetzt hat sich schon einiges verändert, vor allem die Visa-Bestimmungen. Dafür müssen Studierende tief in die Tasche greifen: „Seit Anfang diesen Jahres müssen diejenigen, die länger als ein halbes Jahr in Großbritannien verbringen möchten, ein Visum beantragen. Das ist relativ teuer und kostet 328 Pfund. Wer ein Visum hat, muss zudem eine Immigration Health Surcharge für den öffentlichen Gesundheitsdienst zahlen. Für Studierende beträgt die Gebühr 470 britische Pfund jährlich.“ Wer weniger als ein halbes Jahr bleibt, benötigt kein Visum. 

Ohne Erasmus kommen auf die Studierenden weitere Kosten zu. Dann dürfte ein Aufenthalt für viele zu teuer werden, denn die britischen Studiengebühren sind hoch und variieren je nach Hochschule. „Als Großbritannien noch in der EU war, galten für deutsche Studierende die gleichen Studiengebühren wie für Einheimische. Das gilt jetzt nicht mehr, die müssen jetzt die gleichen Studiengebühren bezahlen, wie andere internationale Studierende“, erklärt Terwyen. Diese Gebühren sind dann meist doppelt so hoch. Ein Beispiel: An der University of Cambridge – eins der beliebtesten Ziele für ausländische Studierende – muss man für ein Chemiestudium knapp 37.000 Euro jährlich hinblättern.

Alternative Auslandspraktikum 

Wie sieht es mit einem Auslandspraktikum aus? Auch diese werden im Erasmus+-Programm gefördert. „Ein Praktikum ist ein Arbeitsverhältnis und das ist etwas anderes als ein Studienaufenthalt“, gibt Terwyen zu bedenken. Wer mit Erasmus ein Praktikum im Vereinigten Königreich absolvieren möchte, braucht ein spezielles Visum, das Temporary Worker-Government Authorised Exchange Visa (T5). Um das beantragen zu können, brauchen die Praktikant:innen wiederum ein sogenanntes Certificate of Sponsorship, das vom British Council ausgestellt wird. Bei diesem Zertifikat handelt es sich um eine Referenznummer, unter der man Informationen über die Stelle und persönliche Angaben des Teilnehmenden abrufen kann. Da dieser Prozess mehrere Wochen in Anspruch nehmen kann, sollte man sich frühzeitig um die Dokumente kümmern. 

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Der Brexit bedeutet auch für Studierende große Veränderungen.
[Foto: pixabay]
 

Nicht nur wegen des Aufwands und der hohen Preise dürfte ein Auslandssemester gerade weniger attraktiv auf die Studierenden wirken. Auch das Corona-Virus erschwere die Lage, sagt Terwyen. Trotzdem lohne sich eine Bewerbung für das Erasmus-Programm, denn „bis Herbst kann sich die Situation schon deutlich gebessert haben.“ Sie hofft, dass gerade diejenigen mit einem Pflicht-Auslandsmodul gut unterkommen. „Es ist ja schon schwierig und beunruhigend genug mit den ganzen Brexit-Verhandlungen. Wir werden uns etwas umorientieren müssen“, sagt sie.

Als potenzielle Ausweich-Option gebe es Irland. „Wir müssen abwarten, ob es alternative Stipendien-Programme für Großbritannien geben wird. Für die Britischen Studierenden in der EU gibt es das schon: das Alan Turing-Programm.“ Wie solche Förderprogramme für europäische Studierende aussehen könnten und vor allem wie vielen Studierenden ein Auslandsaufenthalt im Vereinigten Königreich damit finanziert werden könnte, ist noch unklar. 

"This isolates the whole academic and artistic community"

Misagh Azimi is a student whose application for a visa to the UK was just recently denied – with a very questionable justification. The head of the Institute for Computermusic and Electronic Media (ICEM), Thomas Neuhaus, described it as „Unbelievable! How can a ‘civilized country’ get away with something like this?“ [translated from German] on the institute’s website. akduell-editor Lorenza Kaib talked with Misagh about his experience, the consequences those actions have on the artistic world and how the Brexit might probably worsen the situation. This interview was conducted in English in order to reach a broader public.
 

/Beyond Borders/

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Wegen Corona musste Gastautorin Larissa Stahl in Cambridge ihre Koffer packen.
 

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Im akduell-Interview bewertet Dr. Holger Hestermeyer die laufenden Verhandlungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich.
 
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