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CAMPUS

ArbeiterKind.de senkt Hürden für Studierende der Ersten Generation

Nur 27 von 100 Kindern von Nicht-Akademiker:innen entscheiden sich für ein Hochschulstudium. Der Anteil der Kinder aus Akademiker:innenhaushalten ist fast dreimal so hoch. [Foto: pixabay]

15.12.2021 16:16 - Ayssa Maiß

Hausarbeiten schreiben, Auslandssemester planen und BAföG Formulare ausfüllen, sind für einige Studierende zwar lästige, aber unkomplizierte Aufgaben. Für Studierende aus Nicht-Akademiker:innenhaushalten stellt sich der Hochschulalltag oft als größere Hürde heraus. Warum gibt es keine Chancengerechtigkeit und was trägt die Organisation ArbeiterKind.de dazu bei?

Ein Hochschulstudium sollte von der Qualifikation der Bewerber:innen abhängen. Studien zeigen jedoch, dass dabei auch das Elternhaus eine Rolle spielt. Eine Untersuchung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung aus dem Jahr 2018 offenbarte einen „Bildungstrichter“ in der Bildungsbeteiligung. Von 100 Kindern mit Hochschulzugangsberechtigung aus einem Akademiker:innenhaushalt gehen 79 an die Hochschule, aus Nicht-Akademiker:innenhaushalten sind es nur 27. Nancy Kracke, eine Autorin der Untersuchung, begründet die Ungleichheit teils damit, dass „Familien mit geringerem Bildungshintergrund häufig dazu tendieren, die Kosten für höhere Bildung zu überschätzen und Bildungserträge zu unterschätzen, ungeachtet des vielleicht hohen Bildungspotentials ihres Kindes“.

Peer-to-Peer

Die gemeinnützige Organisation ArbeiterKind.de unterstützt Studierende der ersten Generation auf dem Weg zum und während des Studiums. Die Organisation lebt von ihren rund 6.000 Ehrenamtlichen, die meist selbst Studierende der Ersten Generation waren, also keine Akademiker:innen im Elternhaus hatten. Mit diesem Peer-to-Peer-Ansatz beraten sie, anders als andere Beratungsstellen, aus der eigenen Erfahrung und hochschulunabhängig. 

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Der „Bildungstrichter“ [Foto: Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung GmbH]
 

Dabei betrachtet ArbeiterKind.de verschiedene Aspekte der sozialen Herkunft, die die Bildungsgerechtigkeit beeinflussen können. So erzählt Fidan, Enkelin eines Gastarbeiters, auf der Facebook-Seite über Ihre Motivation bei ArbeiterKind.de: „Wie es so häufig der Fall ist, kam auch mein Großvater aus der Türkei nach Deutschland, um sich den Traum einer besseren Zukunft in der Heimat verwirklichen zu können. Er selbst hatte geringe Aufstiegschancen, umso größer war aber der Wunsch nach einer besseren Zukunft für die eigenen Kinder. Mein eigener Bildungsweg brachte viele Hürden mit sich, die es zu überwinden galt.” Aus dieser persönlichen Erfahrung begründet Fidan ihr Engagement bei ArbeiterKind.de: “Ich weiß um die Sorgen, Ängste, Zweifel und Ungerechtigkeiten derer, denen es ähnlich ergeht, und die Unterstützung genau dieser Menschen liegt mir am Herzen.“

Wegbegleitung der akademischen Laufbahn

ArbeiterKind.de setzten in ihrer Arbeit bereits bei den Schüler:innen an und kooperieren mit Schulen deutschlandweit, um sie zu informieren und Fragen persönlich zu beantworten. Ehrenamtler:innen der Organisation berichten, dass diese Angebote ihnen den Mut verschafften, einen akademischen Weg einzuschlagen. Die Ehrenamtler:innen helfen Studieninteressierten auch bei der Studienwahl und Orientierung beim Studienstart. Ein Hauptthema, das den Studierenden der ersten Generation häufig Sorge bereitet sei jedoch die Studienfinanzierung. Ohne erfahrene Ansprechpersonen im Umfeld ist die Angst vor Verschuldung oder dem Bürokratieaufwand für eine BaföG-Förderung oft groß.

Neben einem eigenen sozialen Netzwerk, Infotelefon und online Informationsangeboten hat ArbeiterKind.de 80 lokale Gruppen. So gibt es auch ein Team aus 15 Mentor:innen für Duisburg-Essen, die zu monatlichen Treffen einladen. Die Mentor:innen unterstützen die Studierenden während der gesamten akademischen Laufbahn bei Fragen. Zuletzt können Interessierte an einem Berufseinstiegsprogramm mit Workshops und individuellen Mentor:innen teilnehmen.
 

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