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CAMPUS

10 Dinge, für die ich nach meiner Bachelorarbeit endlich Zeit habe

Über ihren Abschluss konnte sich unsere Autorin nicht freuen. Sie war viel zu müde. [Symbolfoto: pixabay]

08.02.2022 12:30 - Gastautor*in

Meine Bachelorarbeit ist fertig! Ich habe sie innerhalb von  fünf Wochen geschrieben und dafür mein komplettes Alltagsleben auf Eis gelegt. Das hat funktioniert, aber jetzt herrscht überall Chaos. Hier sind zehn Dinge, die ich jetzt endlich erledigen kann.

1. Den Kuschel-Onesie waschen, 

in dem ich die letzten Wochen gelebt habe. Überhaupt mal wieder Wäsche waschen. Und Staub saugen. Und aufräumen. Und ausmisten. Um mich herum sieht alles aus wie Scheiße.

2. Ich sehe auch aus wie Scheiße.

Blass. Augenringe. Ich muss dringend mal wieder meinen Körper restaurieren, mir die Beine rasieren und wieder regelmäßig Haare waschen. Und meine Verspannungen durch das lange Sitzen wegbekommen. Und ganz nebenbei will ich mich endlich boostern lassen.

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3. Mein Gehirn ausruhen.

Es fühlt sich an, als hätte es jemand kräftig ausgewrungen. Das macht sich bemerkbar: Ich will den Fernseher einschalten und schalte stattdessen das Licht aus. Ich muss mich konzentrieren, wenn ich den Reißverschluss meiner Jacke schließen will. Mein Gehirn ist kaputt und braucht eine Pause vom Denken.

4. Nicht mehr direkt beim Aufwachen an die Bachelorarbeit denken,

sondern liegen bleiben und irgendein langweiliges Video schauen. Und noch eins. Und noch eins. Und dann den ganzen Tag lang Socken stricken, schön langsam und obwohl ich keine Socken brauche.

5. Einfach, weil ich Lust und Zeit habe.

Wieder Texte schreiben, für die ich Geld bekomme. Es ist für eine Journalistin wirklich traurig, am Tag tausende Zeichen gratis zu Papier zu bringen. Ich habe über die fünf Wochen hinweg immer mal wieder ausgerechnet, wie viel Geld ich für die Bachelorarbeit bekommen würde, würde ich sie bei der ak[due]ll veröffentlichen. Als irgendwann vierstellige Beträge rauskamen, habe ich aufgehört. Zu traurig.

6. Ich muss meinen Kaffeekonsum reduzieren.

Der hat sich während der Bachelorarbeit fast verdoppelt. Stattdessen könnte ich mal wieder pünktlich ins Bett gehen, gut einschlafen, ruhig durchschlafen und nicht mehr aufstehen, wenn der Wecker klingelt, sondern weil ich ausgeschlafen bin.

7. Nie wieder über die Bachelorarbeit reden.

In meinem Leben ist wochenlang zwischen Aufstehen und Schlafengehen nichts anderes passiert als die Bachelorarbeit, drei Mahlzeiten, ein kurzer Mittagsspaziergang und abends ein bisschen YouTube. Ich konnte nur noch über die Bachelorarbeit sprechen, und die Leute um mich herum können es schon lange nicht mehr hören. Ich übrigens auch nicht.

8.Entspannungsmaßnahmen wirklich zur Entspannung nutzen,

und nicht als Notfallprogramm, um gleich weiterarbeiten zu können. Meditationen, Joggen und Yoga habe ich wochenlang nur eingesetzt, wenn gar nichts mehr ging und ich mein Tagespensum noch nicht geschafft hatte. Hat funktioniert, aber so richtig genießen konnte ich diese Dinge nicht.

9. Endlich mal wieder mit Oma telefonieren.

Die Sprachnachrichten meiner Freundinnen beantworten. Mein Mailpostfach leeren. Und die Corona-Maßnahmen spüren, weil ich wieder die Gelegenheit zu Kontakten hätte, während ich mich die letzten Wochen so gefühlt habe, als gäbe es keine Pandemie.

10. Urlaub machen.

Ich hatte nicht die Kraft, mir in meiner Schreibphase etwas zu überlegen, das auch im Winter und trotz Corona cool ist. Das will ich jetzt machen und schnellstmöglich rauskommen und die Füße hochlegen.

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